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«USA investieren massiv in Sondereinsatzkräfte»

Interview: Fabienne Klenger. Aktualisiert am 06.01.2012 32 Kommentare

US-Präsident Barack Obama gab gestern die drastische Kürzung des Militäretats bekannt. Bernerzeitung.ch/Newsnet-Korrespondent Martin Kilian über die Neuausrichtung der Weltmacht.

1/7 «Man sieht dem Aufstieg Chinas mit gemischten Gefühlen entgegen»: Auf dem Stützpunkt Fort Campbell in Kentucky.
Bild: Keystone

   

Martin Kilian ist USA-Korrespondent von Bernerzeitung.ch/Newsnet. (Bild: AFP )

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Weniger Geld: Die US-Armee muss sparen. (Video: Reuters )

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Obama gab gestern drastische Kürzungen im Militäretat bekannt. Herr Kilian, wie deuten Sie diesen Entscheid?
Infolge der Haushaltsklemme wird überall gespart. Das Militär ist da nicht ausgenommen. Die amerikanischen Streitkräfte richten sich jetzt zum Fernen Osten hin aus. Lateinamerika und Afrika werden künftig eher vernachlässigt werden.

Warum dieser Schwerpunkt auf die pazifische Region?
Man sieht dem Aufstieg Chinas mit gemischten Gefühlen entgegen und möchte Flagge zeigen. Die USA betonen damit, dass sie China im Eventualfall entgegentreten könnten.

Wären die USA denn dazu noch in der Lage? China rüstet ununterbrochen auf.
Die militärische Vormachtstellung der USA ist noch auf lange Zeit ungebrochen. Die USA haben mehr Kampfflugzeuge als Japan, Russland und China zusammen. Seit 9/11 wurde zudem die asymmetrische Kriegsführung, der Kampf gegen den Terror immer wichtiger. Panzer treten in den Hintergrund, Sondereinsatzkräfte werden aufgebaut. Hier investieren die USA massiv.

Sie würden Barack Obama also trotz des Truppenabzugs aus Irak und Afghanistan und dieser Etatkürzung nicht als Friedenspräsident bezeichnen?
Nein, ein Friedenspräsident ist er sicher nicht. Er hat zwar den Krieg im Irak beendet, aber er führt andere Kriege, allen voran den Krieg gegen den Terror, der sich unter seiner Regierung verstärkt hat.

Ist die Stellung der USA als Weltmacht noch gewährleistet?
Panetta hat zwar gesagt, dass die USA künftig nicht mehr in der Lage sein werden, zwei Kriege gleichzeitig zu führen. Aber ich sehe die militärische Dominanz der USA nicht gefährdet. Dazu verfügen sie über zu viele Raketenträger, Kampfflugzeuge und Sondereinsatzkräfte.

Der Entscheid könnte für die Feinde der USA doch als Zeichen der Schwäche gewertet werden.
Der Eindruck könnte tatsächlich entstehen, dass die Weltmacht mit dem Truppenabzug in Afrika, Lateinamerika aber auch Europa ihren Verpflichtungen nicht mehr nachgehen kann. Man könnte es ihr als Machtverringerung auslegen. Auf der anderen Seite hat man schon nach dem Vietnamkrieg oder dem Zweiten Weltkrieg die Kapazitäten entsprechend verringert.

Wie konnte dieser Doktrinwechsel im Pentagon zustande kommen?
Das hat ganz klar mit der desolaten Haushaltslage zu tun. Bei dem Sparbeschluss war klar, wenn man sich nicht einigt, wird das Pentagon auch Federn lassen müssen. Möglicherweise wird fast eine Billion Dollar aus dem Haushalt rausgeschnitten. Das hat einen Strategiewechsel erzwungen. Wegen Geldmangel können immer mehr Kriegsschiffe nicht eingesetzt werden.

Die Rüstungsindustrie ist enorm stark, hat sie sich nicht gegen den Entscheid aufgelehnt?
Es wurde mit allen Mitteln versucht, verschiedene Projekte zu retten. Doch auch die Rüstungsindustrie muss den Realitäten ins Auge blicken. Sie muss sich nun verstärkt auf den Export konzentrieren. Erst kürzlich kam ein Riesendeal mit Saudiarabien zustande mit F-15-Kampfflugzeugen.

Welche Rolle spielte Leon Panetta?
Eine widerwillige, kein Verteidigungsminister möchte, dass der Etat gekürzt wird. Auf der anderen Seite ist Panetta Realist. Er war insofern ein williger Partner für Obama.

Was bedeutet der Entscheid für die kommenden Wahlen?
Die Republikaner werden Obama vorwerfen, dass er die Vormachtstellung der USA aushöhle. Doch auch die Republikaner sehen, dass es so nicht mehr weitergeht. Noch immer gibt es riesige Rüstungsprogramme. Bis 2035 werden fast 400 Milliarden Dollar ausgegeben für die F-35-Kampfjets. Ich glaube nicht, dass das zu einem Wahlkampfthema wird. Der Entscheid war ein Schritt hin zum Realismus. Die Militärausgaben sind seit 9/11 so unwahrscheinlich angestiegen, das war einfach nicht mehr haltbar. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.01.2012, 11:51 Uhr

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32 Kommentare

Kurt Amacher

06.01.2012, 16:12 Uhr
Melden 24 Empfehlung

Obama braucht keine Armee mehr, er führt ja nun das neue Anti-Terror-Gesetz ein mit unbeschränkter Verhaftung Terrorverdächtiger ohne Gerichtsverfahren. Damit begibt er sich auf Stufe und Geist von Cheney und Rumsfelds und zeigt sich definitiv als führungsschwach. Und die Amis gehen mit ihrer Terrorparanoia schnurstracks Richtung Militärdiktatur mit faschistoiden Zügen und Abbau des Rechtsstaates. Antworten


Ludovico Meier

06.01.2012, 12:05 Uhr
Melden 19 Empfehlung

Imagine, Du kannst bei weltweiten Rüstungsausgaben von 1‘500 Milliarden Franken pro Jahr ca. 4 Milliarden pro Tag ausgeben. Du könntest Dein Geld von einem einzigen Tag dazu verwenden, den 30‘000 Kinder unter 5 Jahren die pro Tag an Hunger sterben, während 80 Jahren ihres Lebens pro Kind und Tag 4 Franken zu geben und Du hättest immer noch 100 Mio. für Dich übrig für den einen Tag übrig. Antworten



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