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«Schick mir deine Telefonnummer!»

Von Sandro Benini. Aktualisiert am 11.05.2010 4 Kommentare

Venezuelas Präsident benutzt seit neustem Twitter – mit durchschlagendem Erfolg.

Berühmt für seine Wortgewalt: Der Präsident von Venezuela, Hugo Chávez.

Berühmt für seine Wortgewalt: Der Präsident von Venezuela, Hugo Chávez.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat ein neues Spielzeug und Propagandainstrument: das soziale Netzwerk Twitter. Als er vor kurzem versprach, die Öffentlichkeit mit Kurzblogs zu beglücken, war man gespannt. Wie würde Chávez, bekannt für monumentale Wortgewalt, mit den 140 Zeichen zurechtkommen, die ihm bei Twitter pro Nachricht zur Verfügung stehen?

«Hallihallo, hier bin ich.»

Offensichtlich hervorragend: «Hallihallo, hier bin ich, wie angekündigt erscheine ich um Mitternacht. Ich geh jetzt nach Brasilien, glücklich, für Venezuela zu arbeiten. Venceremos.» So der erste Beitrag. Chávez’ Twitter-Seite heisst chavezcandanga – das Wort Candanga bezeichnet in Venezuela jemanden, der die Massen bewegt, in anderen lateinamerikanischen Ländern ist es ein Synonym für Teufel.

Teuflisch schnell vermehren sich auch Chávez’ Leser, im Twitter-Slang «Followers» genannt: 260 000 Personen haben den Blog abonniert, werden über Computer oder Handys regelmässig mit den neusten Textschnipseln aus dem Präsidentenpalast zu Caracas beliefert – und können sich ihrerseits an den mächtigsten Mann des südamerikanischen Landes wenden.

Werbung in eigener Sache

Seit eh und je wettert Chávez gegen die «Medien der bürgerlichen Oligarchie», weil sie angeblich seine sozialistische Revolution anschwärzen. Hartnäckig versucht er, diesem Treiben Einhalt zu gebieten – indem er Gesetze propagiert, die es etwa verbieten, die Bevölkerung durch das «Verbreiten von Falschmeldungen» zu beunruhigen. So lässt er oppositionelle Fernseh und Radiostationen schliessen oder so lange einschüchtern, bis sie jede kritische Berichterstattung einstellen.

Daneben betreibt Chávez aber auch Werbung in eigener Sache. Seit zehn Jahren wendet er sich in der sonntäglich ausgestrahlten Sendung «Aló Presidente» in stundenlangen Monologen ans Publikum. Fast wöchentlich hält er eine Rede von angeblich nationaler Bedeutung, die sämtliche Fernsehsender, ob staatlich oder privat, in voller Länge übertragen müssen. Um seine Wahrheiten zu verbreiten, schuf er kürzlich eine aus Schülern und Studenten bestehende «Kommunikationsguerilla». Der Grund für die hektische Aktivität dürfte in Chávez’ schwindender Popularität liegen. Laut jüngsten Umfragen haben Inflation, Energiekrise und Kriminalität dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung von ihrem Präsidenten enttäuscht ist. Da ist es höchste Zeit, propagandistisch Gegensteuer zu geben.

Jobvermittlung über Twitter

Nun benutzt er also auch Twitter – ein Medium, das bisher vor allem die Opposition einsetzte. Was hat denn Chávez seinen Followers mitzuteilen? «Welches Glück! Bald eröffnen wir eine neue Handyfabrik. Die Geräte werden gut und billig sein.» Oder: «Heute hatte ich viel zu tun. Ich habe mehrere grosse Projekte genehmigt.» Oder: «Befreien wir die Erde vom Kapitalismus!» Hin und wieder greift ihn ein Follower an, worauf er selbstironisch antwortet: «Ich bitte dich, diesen Hass zu überwinden. Dein Diktator.»

Die meisten, die Chávez über Twitter kontaktieren, wünschen sich jedoch einen Job oder finanzielle Hilfe, oder sie machen ihn auf Missstände wie schlecht funktionierende Spitäler aufmerksam. Ihnen allen verspricht er sofortige Hilfe. «Schick mir deine Telefonnummer! Mein Team wird dich anrufen.» Noch vor einigen Tagen schwor der Präsident, alle an ihn gerichteten Botschaften höchstpersönlich zu beantworten. Nun hat er jedoch 200 Personen eingestellt, um seine Twitter-Seite zu bewirtschaften. Übrigens ist mittlerweile auch der schlimmste politische Gegner des Venezolaners als Twitterer aktiv geworden: Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe. Bloss hat dieser lediglich 15 000 Follower. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.05.2010, 07:00 Uhr

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4 Kommentare

Eser Karatas

11.05.2010, 14:12 Uhr
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Dass Chavez so viele Followers hat, zeigt dass er doch nicht so schlecht ist wie man das immer so behauptet. Sind wir etwa besser? Immerhin hat der Mann eine Vision und kämpft dafür, obwohl er lediglich der David ist gegen Goliath. Wir können nicht einmal gegen einen Wüchstenfuchs wie Gadhafi vorgehen,geschweige noch eine vernünftige Auslandspolitik entwickeln...überhaupt nicht neutral Herr Benini Antworten


Hannes Senti

11.05.2010, 18:32 Uhr
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@ Eser; Sie müssten vielleicht in Venezuela leben um dies zu verstehen. Wenn ich Teil des Systems bestehend aus Vetternwirtschaft und korruption wäre, würde ich auch wie ein Seehund applaudieren. Ausserdem sollten sie den Text nochmals lesen; Viele Followers bemängeln missstände und bitten um Hilfe. Und für seine "Vision" wird ein Land zugrunde gerichtet. Freundliche Grüsse aus Caracas Antworten



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