Sarah Palin redet sich warm und spickt wie eine Schülerin

Mit dem Auftritt bei der Tea-Party-Bewegung hat die populäre Republikanerin ihren Anhängern Hoffnung auf eine Präsidentschaftskandidatur gemacht.

Star der Konservativen: Sarah Palin an der Versammlung der Tea-Party-Bewegung in Nashville.

Star der Konservativen: Sarah Palin an der Versammlung der Tea-Party-Bewegung in Nashville.
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Spickte wie ein Gymi-Schüler: Sarah Palin.

Spickte wie ein Gymi-Schüler: Sarah Palin. (Bild: Keystone)

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Tea-Party-Bewegung

Protest der unzufriedenen konservativen Amerikaner

Die Tea Party versteht sich nicht als neue politische Partei, sondern als Sammelbewegung unzufriedener Konservativer. Erklärte Absicht ist, für die Zwischenwahlen im November genügend Sprengkandidaten aufzustellen, um die demokratische Mehrheit zu bodigen. 2012 soll dann auch Präsident Obama durch einen Konservativen ersetzt werden. Der einflussreiche Politkonsulent und frühere texanische Abgeordnete Dick Armey gilt als Drahtzieher der Bewegung. Wie fast jede Protestbewegung ist auch die Tea Party auf ein Thema fixiert: weniger Staat, weniger Steuern. Sie startete vor einem Jahr als Protest gegen die Gesundheitsreform der Regierung Obama.

Der Tea Party fehlen bekannte Namen – Palin ist deshalb die grösse Hoffnung. Der Name wurde der Bostoner Tea Party von 1773 entlehnt: einem historischen Aufstand der neuen Kolonien gegen die englische Krone.

Die Worthülsen waren die gleichen wie vor 18 Monaten, und das politische Programm lässt sich noch immer kurz zusammenfassen: tiefe Steuern, nach Erdöl bohren und American Spirit. Als Gedankenstütze hatte sich Sarah Palin die drei Stichworte auch noch auf die Hand gekritzelt, als sie am Samstag zum ersten Mal seit der Wahlniederlage vom November 2008 wieder politisch auf nationaler Ebene auftrat.

In einem Interview mit einem ihrer Arbeitgeber, dem Fernsehsender Fox, liess sie keine Zweifel, dass sie diesen Auftritt und die Tea-Party-Bewegung als Ausgangsbasis für eine erneute Kandidatur betrachtet.

«Wenn ich überzeugt bin, dass dies das Richtige ist für unser Land und für die Familie Palin, werde ich es sicher tun», sagte sie auf die Frage, ob sie 2012 als Präsidentin kandidieren wolle. Ein solches Amt nicht anzustreben, wäre absurd, sagte sie. Das Gespräch mit Fox war vor dem Auftritt in Nashville aufgezeichnet worden. Vor den 600 Tea-Party-Bewegten selber hatte sie die gleiche Frage nach einer «Präsidentin Palin» nur mit einem vielsagenden Lächeln beantwortet.

Die Vorbereitungen mit Blick auf 2012 laufen auf vollen Touren: Palin hat ein politisches Aktionskomitee gegründet, hat mehrere Wahlkampfhelfer von Senator John McCain angestellt und ist daran, die Wahlkampfkasse zu füllen. Für den Auftritt in Nashville kassierte sie 100 000 Dollar, musste aber deswegen die harsche Kritik mehrerer republikanischer Strategen einstecken und schliesslich versprechen, die Summe «für die Sache» zu spenden. Indessen dürfte sie aus dem Verkauf ihrer Memoiren schon über 10 Millionen Dollar eingenommen haben.

Aufstand gegen Washington

Palin suchte am Wochenende die direkte Konfrontation mit Präsident Obama, dessen Umfragewerte sich allerdings deutlich besser halten als ihre eigenen. Nur 21 Prozent der Stimmbürger wünschen, dass sich Palin als Präsidentin bewirbt; und die gleiche Umfrage von CBS zeigt auch, dass nur gerade 26 Prozent der Amerikaner einen guten Eindruck von ihr haben. Solche Feinheiten scheinen die forsche Frau nicht zu beeindrucken. «Amerika ist bereit für eine weitere Revolution», rief sie in den dicht besetzten Saal des Gaylord-Opryland-Hotelkomplexes in Nashville.

Die Rede wurde von allen grossen TV-Sendern live übertragen. Neben den Tea-Party-Leuten, die für die Rede allein je 349 Dollar bezahlt hatten, waren mehr als 240 Medienschaffende angereist. Palin sprach ohne Teleprompter, schielte aber zuweilen auf die Innenfläche der Hand, was sie nicht hinderte, Obama vorzuwerfen, permanent vom Teleprompter abzulesen. «Wir brauchen einen Oberbefehlshaber, nicht einen Rechtsprofessor, der vom Stehpult doziert.»

Dass sich Palin als die grosse, unberechenbare Kraft sieht, machte sie auf Fragen von Tea-Party-Mitgliedern deutlich. Das beste Beispiel dafür, dass die Bewegung die politische Zukunft des Landes darstelle, sei ihr Mann, sagte sie. Todd sei kein eingeschriebenes Mitglied der Republikanischen Partei, er sei vielmehr ein unabhängiger Kopf, der wie die meisten Amerikaner genug von den Machenschaften in Washington habe. Deshalb wäre die Republikanische Partei gut beraten, die Tea-Party-Bewegung zu integrieren und enttäuschte Demokraten aufzunehmen.

Palin plant weitere Auftritte vor Tea-Party-Leuten, unter anderem in Searchlight (Nevada), dem Wohnort des demokratischen Mehrheitsführers Harry Reid, dessen Wiederwahl im November unsicher ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2010, 09:10 Uhr

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