Ölpest eingedämmt, Rechnung offen
Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 05.08.2010 8 Kommentare
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Das warme Wasser, der Einsatz von Dispersionsmitteln sowie die Absaug- und Abdichtungseinsätze von BP (BPAM 4.886 -1.67%) und der Küstenwache – dies alles hat die Ölpest im Golf von Mexiko schneller als erwartet abklingen lassen. Drei Viertel des Öls sind bereits verschwunden, wie der erste offizielle Untersuchungsbericht festhält. Weniger Küstengebiet dürfte geschädigt worden sein als bei der Exxon-Valdez-Katastrophe in Alaska. Für BP aber bleibt ein juristisches Risiko: Sollte dem Konzern grobfahrlässiges Verhalten nachgewiesen werden, drohen bis zu 21 Milliarden Dollar Busse.
Die erste umfassende Analyse der Ölpest stammt von der National Oceanic und Atmospheric Administration, einer aus Wissenschaftern zusammengesetzten Abteilung des Handelsministeriums. Sie beurteilte das Ölleck von Anfang an weniger dramatisch als andere Regierungsstellen und ist heute – über hundert Tage nach dem Leckschlagen des Bohrlochs relativ zuversichtlich.
Hälfte des Öls verdunstet
Die Hälfte des ausgeflossenen Öls ist ihrem Bericht zufolge im bis zu 30 Grad warmen Wasser verdunstet oder durch die Unmengen an Dispersionsmittel, die eingesetzt wurden, in kleinste Partikel zerlegt worden. Etwa ein Sechstel des Öls konnte mit Absaug- und Abdichtungseinsätzen abgeschöpft werden, fünf Prozent wurden abgefackelt.
Somit verbleibt noch ein Viertel des Ölteppichs. Die Wissenschafter befürchten, anders als die meisten Fischer, nicht, dass sich unter der Meeresoberfläche grosse Ölmengen in teerartigen Klumpen angesammelt haben und den Fischbestand auf Jahre hinaus gefährden könnten. «Der natürliche Abbau des Öls ist glücklicherweise sehr stark», sagt die Chefin der Behörde, Jane Lubchenco.
Unmengen an Chemie benutzt
Mag der Umfang der Katastrophe auch klar sein, so sind die langfristigen Schäden noch nicht abzuschätzen. Ein Beispiel: Die US-Regierung hat den Grosseinsatz von Dispersionsmitteln genehmigt, obwohl diese in die Nahrungsmittelkette gelangen können. Der Entscheid fiel zum Schutz der Küsten und Strände. Dank der chemischen Mittel konnte verhindert werden, dass die Küsten ähnlich stark verseucht wurden wie einst beim Tankerunglück in Alaska. Obwohl im Golf ein Mehrfaches der Exxon-Valdez-Ölmenge ausgetreten ist, gehen die Behörden davon aus, dass «nur» ein Viertel so viel Küstengebiet verseucht wurde wie 1989 in Alaska. Dennoch: «Den ganzen Umfang des Schadens für die Ökosysteme und die Menschen kennen wir noch nicht», so Lubchenco.
Ungewisse Zukunft von BP
BP hat gestern weitere Fortschritte beim Stopfen des Lecks gemacht. Schwerer Bohrschlamm und Zement wurden eingefüllt. Die definitive Versiegelung soll in den kommenden Wochen mit dem «Bottom Kill»-Verfahren erfolgen. Trotzdem steht der Konzern finanziell vor einer ungewissen Zukunft.
Präsident Barack Obama erklärte, die US-Regierung werden BP zur vollen Rechenschaft ziehen. Sollte sich in den Untersuchungen zeigen, dass der Konzern grob fahrlässig gegen Sicherheitsbestimmungen verstossen hatte, so droht eine Busse von bis zu 4300 Dollar für jedes Fass an ausgelaufenem Rohöl. Busse bis zu 21 Milliarden Dollar
Da offiziellen Schätzungen zufolge nahezu fünf Millionen Fass (über 800 Millionen Liter) in den Golf von Mexiko geflossen sind, könnte BP mit 21 Milliarden Dollar gebüsst werden.
Wenn dem Konzern das abgesaugte Öl gutgeschrieben wird, bleibt noch immer eine Rechnung von fast 18 Milliarden Dollar übrig, zusätzlich zu den Schadenersatz- und Aufräumkosten. BP hat sich dafür bis anhin mit einer Rückstellung von gut 32 Milliarden Dollar gewappnet.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.08.2010, 22:22 Uhr
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