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Obama will Geschenke an die Studenten verteilen

Von Martin Kilian. Aktualisiert am 05.05.2009

Die amerikanischen Studenten stimmten im vergangenen November überwiegend für ihn. Nun will sich Barack Obama bedanken – in bar.

Der Wahlkämpfer und seine Klientel: Obama bei einer Veranstaltung vor Studenen in Cedar Rapids im Bundesstaat Iowa.

Der Wahlkämpfer und seine Klientel: Obama bei einer Veranstaltung vor Studenen in Cedar Rapids im Bundesstaat Iowa.
Bild: Keystone

Geht es nach dem Präsidenten, sollen künftig vor allem der Staat und nicht mehr Banken Studienkredite vergeben. Die Obama-Administration möchte die Banken bei der Vergabe von Studienkrediten weitgehend ausschalten und das dadurch ersparte Geld in Höhe von 94 Milliarden Dollar in ein neues Regierungsprogramm stecken, das bedürftige Studenten mit höheren Staatszuschüssen versorgt und Studienkredite mit niedrigen Zinsen vergibt.

Studienkredite als Wirtschaftsfaktor

Der Bund garantiert bereits jetzt die privaten Studienkredite, zahlt eine Gebühr an die Banken und hat in jüngster Zeit von den Geldinstituten Studienkredite in Milliardenhöhe aufgekauft. Obamas Initiative könnte dringender nicht sein: Amerikanische Studenten sind zusehends mit hohen Schulden belastet, allein im Studienjahr 2007/2008 nahmen 6,4 Millionen Studierende 55,3 Milliarden Dollar an Studienkrediten auf.

Im Durchschnitt schuldet ein amerikanischer Student nach vier Jahren an einem College oder einer Universität 22'500 Dollar. Und oftmals beträgt die Gesamtsumme der Schulden nach einem weiterführenden Graduiertenstudium 100'000 Dollar und mehr. Der rasante Anstieg der Studiengebühren hält zudem immer mehr Kinder aus der Mittelschicht wie den Unterschichten vom Studium ab.

Horrende Summen für die Ausbildung

Selbst staatliche Universitäten verlangen inzwischen schockierende Summen: So kostet etwa ein Studienjahr an der angesehenen University of Virginia für Studenten, die aus dem Staat Virginia kommen, nach Angaben der Universität 20'173 Dollar plus Reisekosten. Die Studiengebühren allein betragen 9490 Dollar pro Jahr. Für Studenten von ausserhalb des Staats belaufen sich die jährlichen Kosten auf über 40'000 Dollar. Wer an einer der zahlreichen privaten amerikanischen Colleges und Universitäten studieren will, bezahlt oftmals eine ähnliche oder noch höhere Summe.

Zwar gewähren die Unis Abschläge und helfen mit Stipendien, doch ist die Verschuldung Studierender in den vergangenen Jahren bedenklich angewachsen. Im abgelaufenen Jahr stieg die Zahl amerikanischer Studenten, die ihre Studienkredite nicht mehr bezahlen konnten, von 5,2 auf 6,9 Prozent an. Die Vereinigten Staaten sind, was den Anteil von Hochschulabschlüssen in der Bevölkerung betrifft, international inzwischen vom ersten Rang auf den siebten abgerutscht, weshalb die Regierung Obama nun den Zugang zu Colleges und Universitäten erleichtern möchte.

Lobbyisten gegen Obamas Pläne

Die angepeilte Umgehung privater Kreditgeber dürfte im Kongress allerdings auf Widerstand stossen. Banken und auf Studienkredite spezialisierte Kreditgeber wie Sallie Mae sind für ihre grosszügigen Wahlkampfspenden bekannt und wollen das lukrative Geschäft mit Studienkrediten nicht kampflos preisgeben. Auch die republikanische Opposition hat bereits Bedenken angemeldet. Obama, so ihr Vorwurf, schaffe ein neues und teures Regierungsprogramm, obschon die Defizite des Bundes lichte Höhen erreicht hätten.

Selbst republikanische Abgeordnete und Senatoren konzedieren indes, dass die hohen Studienkosten untragbar geworden sind: Es drohe die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten bei der Zahl der Studienabschlüsse im internationalen Vergleich weiter zurückfielen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.05.2009, 11:48 Uhr

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