Ausland

Nun kümmern sich die Staatsanwälte um BP

Vor amerikanischen Gerichten rollt wegen der Umweltkatastrophe am Golf von Mexiko eine Klagewelle an.

1/3 Der neueste Versuch sieht vor, das defekte Rohr zu kappen und das Öl über eine neue Leitung in Schiffe zu leiten. Erst in zwei Monaten sind die Entlastungsbohrungen abgeschlossen, die den Ölausfluss stoppen sollen.

   

Artikel zum Thema

Panne beim jüngsten Versuch der Eindämmung

Nach dem gescheiterten Versuch, das Bohrleck mit dem Einspritzen von Schlamm und Geröll zu verschliessen, stiess British Petroleum (BP) auch bei einem erneuten Anlauf auf Probleme. Als man die beschädigten Aussenrohre durchschneiden wollte, verhakte sich das Sägeblatt eines Unterwasserroboters. Durch Bewegung am Steigrohr wolle man es freibekommen, teilte die US-Küstenwache mit. Noch am Mittwoch sollte der Schnitt gelingen. Dann soll eine Art Glocke zum Absaugen des Öls installiert werden. «Wir reden nicht mehr davon, das Bohrloch zu verschliessen. Wir reden davon, es einzudämmen», sagte Thad Allen von der Küstenwache.

Das neue Verfahren gilt ebenfalls als riskant, weil sich der Ölaustritt durch das Kappen der Rohre zunächst um 20 Prozent erhöhen kann. BP setzt mittelfristig vor allem auf Entlastungsbohrungen, die das Austreten des Öls stoppen sollen. Die zwei Bohrungen, mit denen Ende Mai begonnen worden war, gelten als verlässliches, aber zeitaufwendiges Verfahren.

Nach all den fehlgeschlagenen Versuchen, das Leck endlich zu stopfen, hoffen die US-Behörden nun auf Hilfe aus Hollywood. Erfolgsregisseur James Cameron («Avatar», «Titanic») ist als Lieferant neuer Ideen gefragt. Der Filmemacher gehörte zu einer Gruppe von mehr als 20 Wissenschaftlern und Ingenieuren, die sich mit Vertretern der Umweltschutzbehörde, der Küstenwache und des Energieministeriums trafen. Der Regisseur gilt als Experte für Unterwasserfilme und ferngesteuerte Unterseeboote. (Agenturen)

Stichworte

Während der britische Ölriese BP im Golf von Mexiko am Mittwoch den Ölfluss neuerlich unter Kontrolle zu bringen versuchte, rückte erstmals die juristische Aufarbeitung der grössten Umweltkatastrophe der amerikanischen Geschichte in den Vordergrund. BP und Transocean, die in Zug ansässige Betreiberin der am 20. April explodierten Bohrinsel «Deepwater Horizon», sowie weitere in den Unfall verwickelte Unternehmen wie etwa der Ölausrüster Halliburton müssen nun mit einer massiven Klagewelle vor amerikanischen Gerichten rechnen.

Obama ordnet Untersuchung an

Damit nicht genug, kündigte Justizminister Eric Holder bei einem Besuch in der Krisenregion am Dienstag an, gegen die Verantwortlichen würden Ermittlungen eingeleitet werden. Ebenfalls am Dienstag erklärte US-Präsident Barack Obama, es müsse herausgefunden werden, «was falsch gelaufen ist». Falls Gesetze verletzt worden seien und dies «Tod und Zerstörung» verursacht habe, müssten die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Unter anderem dürften die Bundespolizei FBI sowie diverse Staatsanwaltschaften in Washington sowie am Golf untersuchen, ob die am Unfall beteiligten Firmen falsche Angaben gemacht haben. Auch Justizbehinderung und Verschwörung sowie Verstösse gegen Regulierungen könnten zu Anklageerhebungen führen. Ausserdem dürften Vergehen gegen Umweltgesetze geahndet werden. So schreibt etwa das «Gesetz über sauberes Wasser und Ölverschmutzung» aus dem Jahr 1990 vor, dass Verschmutzer pro Barrel ausgelaufenem Öl – rund 159 Liter – eine Strafe von 1100 Dollar entrichten müssen.

Bereits beläuft sich die Gesamtsumme der Umweltstrafen allein für BP auf mindestens eine halbe Milliarde Dollar. Doch könnte sie auf mehrere Milliarden Dollar anwachsen, falls es dem Unternehmen nicht gelingt, die Menge des täglich auslaufenden Öls zu verringern. «BP soll bezahlen – nicht nur für das Saubermachen, sondern auch für die Toten und die Zerstörung der Natur», verlangt etwa Michael Brune, der Direktor der Umweltschutzorganisation Sierra Club. Bei der Explosion auf der Bohrinsel kamen 11 Menschen ums Leben.

Nicht nur die Bundesregierung aber wird nun gegen BP vorgehen: Behörden der Bundesstaaten am Golf von Mexiko wollen gleichfalls Untersuchungen einleiten. «Wenn BP sich nicht an die Regeln gehalten und deshalb unseren Golf zerstört hat, dann wird jemand dafür bezahlen – und nicht nur mit Geld; man wird sicherlich auch die Strafgesetzgebung bemühen», sagte Jim Hood, der Justizminister des Staats Mississippi.

BP will in Houston vor Gericht

Darüber hinaus müssen die am Unfall beteiligten Unternehmen mit einer Flut von Schadensersatzforderungen und Zivilklagen rechnen. Über 150 Fischer, Restaurantbesitzer, Bootskapitäne und Hotelbesitzer sind wegen der wirtschaftlichen Schäden bereits vor die Gerichte gegangen. Hunderte weiterer Klagen, von Louisiana bis nach Florida, wo vorgestern erstmals Öl vor der Küste sichtbar war, sind zu erwarten. BP versucht, Klagen vor Bundesrichtern möglichst in die texanische Ölhauptstadt Houston zu verlegen, deren Richter als industriefreundlich eingeschätzt werden. Anwälte andererseits fordern, Klagen vor Bundesrichtern in New Orleans zu verhandeln.

Die Bohrinsel-Betreiberin Transocean beruft sich unterdessen auf ein Statut aus dem Jahr 1851, um die Haftung des Unternehmens auf 27 Millionen Dollar zu beschränken. Dagegen hat das Washingtoner Justizministerium bereits Beschwerde eingelegt. Zwar rechnen amerikanische Analysten derzeit nicht mit einem Bankrott von BP, immerhin des viertgrössten Konzerns der Welt. Doch hat das Londoner Unternehmen seit Beginn der Krise im Golf rund 40 Prozent – 75 Milliarden Dollar – seines Marktwerts verloren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.06.2010, 22:29 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Emil Frey AG Autocenter Bern

Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.