Mitt Romney stolpert über seinen Reichtum
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 04.07.2012
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Die Wirtschaft will so richtig nicht in Schwung kommen und könnte neuerlich in die Gefahrenzone abgleiten. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Stimmung mies. Und trotzdem liegt Barack Obama, US-Präsident seit 2009 und Demokrat, nicht abgeschlagen hinter seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Im Gegenteil: Er führt, knapp zwar, aber immerhin.
Vier Monate vor den amerikanischen Kongress- und Präsidentschaftswahlen und mitten im kostspieligsten Wahlkampf aller Zeiten – geschätzte Gesamtkosten: rund sechs Milliarden Dollar – dümpelt Romney in den Umfragen und seine Beliebtheitswerte lassen ebenso zu wünschen übrig wie sein Elan. Vor allem sein Status als superreicher Millionär hindert den Republikaner: Wer möchte schon in einem Wahljahr, da die horrende soziale Ungleichheit in den Vereinigten Staaten endlich thematisiert worden ist und die Bürgerschaft misstrauisch die Geldsäcke der Republik beäugt, als reichster Politiker seit George Washington um das Weisse Haus kämpfen?
Ein US-Präsident mit Schweizer Bankkonto?
Es hilft Romney, dessen Qualifikation für das Präsidentenamt unbestritten ist, überdies nicht im Geringsten, dass seine Steuerbescheide vielfältige Anlagen in Steuerparadiesen wie Bermuda, den Cayman Islands, Luxemburg und der Schweiz zeigten. «Ich kenne keinen amerikanischen Präsidenten, der ein Schweizer Bankkonto hat», höhnte Romneys damaliger Vorwahlkonkurrent Newt Gingrich. Dass der Ex-Gouverneur seine Einkünfte und Investitionen obendrein nur für zwei Jahre offenlegte, schürte den Verdacht, hier verberge einer etwas.
Immerhin war Romneys Vater George, einst Gouverneur des Autostaats Michigan, mit gutem Beispiel vorangegangen und hatte 1967 als erster US-Politiker mit Aspirationen auf das Präsidentenamt gleich zwölf Steuerbescheide vorgelegt. An einem könne man drehen, an zwölf jedoch nicht, hatte der Papa damals seine Offenheit begründet.
Romney fehlt es an guten Wahlkampfhelfern
Dem Sohn stünde dergleichen ebenfalls nicht schlecht an, denn Obamas altgediente Profis im Wahlkampfhauptquartier in Chicago sind derzeit dabei, den Republikaner als abgehobenen Schnösel zu zeichnen, der als Chef der Investmentfirma Bain Capital sorglos mit anderer Leute Jobs umging. «Wir müssen dafür sorgen, dass den Leuten völlig klar ist, dass Romney keine sichere Alternative ist», beschreibt Obamas Wahlkampfmanager David Plouffe das Ziel der Kampagne.
Romney solle sich gefälligst nach gestandenen Wahlkampfhelfern umsehen, sonst werde ihn die Obama-Truppe in Chicago auseinandernehmen, twitterte vergangene Woche der konservative Medienmogul Rupert Murdoch und drückte damit lediglich aus, was in republikanischen Kreisen hinter vorgehaltener Hand geflüstert wird.
Ab September klinken sich die Wähler ein
Am Dienstag dann warf die Obama-Truppe noch mehr Schmutz in Richtung Romney: In einem neuen TV-Spot heisst es, von Bain Capital gekaufte Unternehmen hätten «Pionierarbeit bei der Auslagerung von US-Jobs in Niedriglohnländer» geleistet – ein Vorwurf, den zuvor die «Washington Post» erhoben und Romneys Team als falsch zurückgewiesen hatte.
Dass solche Beschuldigungen womöglich an Mitt Romney kleben bleiben, legen neue Erhebungen nahe: Seine Negativwerte gehen nach oben, in wichtigen Bundesstaaten liegt Obama inzwischen vor dem Republikaner. Gewonnen aber ist noch nichts, denn Romneys Geldvorteil wird ihm erlauben, Obama ab September, wenn sich die Amerikaner endlich in den Wahlkampf einklinken, unter einer Lawine negativer TV-Werbung zu begraben. Der Demokrat soll dabei als billiger Politico herkömmlicher Art porträtiert werden, um so seine Aura eines «transformativen Präsidenten» zu zerstören.
Nichts für schwache Naturen
Amerikanische Wahlkämpfe sind gemeinhin nichts für schwache Naturen, doch bleibt zu hoffen, dass es im Wahlherbst nicht zugehen wird wie beim Kongresswahlkampf des Republikaners Floyd Spence gegen seinen demokratischen Widersacher Tom Turnipseed 1980 in South Carolina.
Sechs Tage vor dem Urnengang liess Spences Wahlkampfleiter Lee Atwater, ein legendärer Praktizierender politischen Jiu-Jitsus, über Mittelsmänner verbreiten, Turnipseed sei als Teenager wegen Depressionen mit Elektroschocks behandelt worden.
Danach befragt, lehnte Atwater jeden Kommentar ab: Er wolle sich «lieber nicht äussern zu Vorwürfen gegen jemanden, der an Starterkabel angeschlossen war». Spence gewann die Wahl. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.07.2012, 13:12 Uhr
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