Jetzt ist er weg!

Von Matthias Meili. Aktualisiert am 07.08.2010 36 Kommentare

Der Ölteppich im Golf von Mexiko ist verschwunden. Das erstaunliche Tempo der Zersetzung hat viele verschiedene Gründe – darunter die Mitarbeit der Natur.

1/45 Wie alles begann: Eine Chronologie der Katastrophe
Am 20. April 2010 kommt es im Golf von Mexiko auf der Ölplattform Deepwater Horizon zu einer Explosion und Feuer.

   

Jack Hall hatte doch recht. Der Klimaforscher im Katastrophenfilm «The Day After Tomorrow», gespielt von einem überzeugenden Dennis Quaid, hat seit Jahren vor der grossen Katastrophe gewarnt. Dann ist sie auch eingetreten: Die ganze Nordhalbkugel der Erde wurde unter Eis und Schnee begraben. Schuld daran war der Golfstrom, der plötzlich abgerissen ist.

Seit Anfang August kursieren im Internet Berichte, wonach die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko genau dieses Szenario auslösen werde. Jetzt habe der Ölteppich den Golfstrom stillgelegt, heisst es da, gestützt auf die Aussagen obskurer Wissenschaftler. Steuert die Welt also unweigerlich auf ihren Untergang zu?

Der Teppich ist weg

Pech nur für die Untergangspropheten, dass der Ölteppich heute schlicht und einfach verschwunden ist. Ende Juni bedeckte der Teppich noch Tausende Quadratkilometer des Golfs. Doch jetzt ist er weg! Seit dem 3. August ist auf den Bildern der Überwachungssatelliten der amerikanischen Wetterbehörde NOAA kein Öl mehr auf der Meeresoberfläche auszumachen.

Noch besser: In einer Analyse, die die NOAA vor wenigen Tagen veröffentlichte, haben Teams von Wissenschaftlern bekannt gegeben, dass bereits drei Viertel des ausgeflossenen Öls wieder verschwunden sind. Die Forscher haben die bisher genauesten Zahlen über die Mengen an Öl veröffentlicht, die ausgeflossen sind. Zudem haben sie erörtert, was mit dem Öl passiert ist. Die Daten beruhen zum Teil auf direkten Messungen, zum Teil auf den bestmöglichen wissenschaftlichen Abschätzungen. Sie sind deshalb mit einer Unsicherheit von 10 Prozent behaftet. Demnach sind zwischen dem 22. April, als die Ölplattform gesunken ist, und dem 15. Juli, als es BP endlich schaffte, das Leck mit einem Deckel zu schliessen, rund 780 Millionen Liter Öl ausgeflossen.

Natur leistete Hauptarbeit

Ein Viertel dieser Menge haben gemäss den Angaben die Aufräumequipen der verantwortlichen Mineralölgesellschaft BP mit ihren Einsatzschiffen abgesaugt oder von der Meeresoberfläche abgeschöpft, ein Teil davon wurde zudem kontrolliert verbrannt. Ein erheblicher Anteil des ausgeflossenen Öls, nämlich 65 Millionen Liter, ist mithilfe chemischer Dispersionsmittel auf und unter der Wasseroberfläche aufgesplittet und in kleinste Tröpfchen zerlegt worden, die weniger als 100 Mikrometer Durchmesser haben, gerade so viel wie ein menschliches Haar.

Die Hauptarbeit hat jedoch die Natur selber geleistet: Ein Viertel des Öls ist an der Meeresoberfläche schlicht und einfach verdampft. «Das sind Verwitterungsprozesse, die man bei jeder Ölkatastrophe beobachtet», sagt Nancy Kinner, Professorin am Küstenforschungsinstitut der Universität New Hampshire und Beraterin der amerikanischen Regierung bei der Bekämpfung der BP-Ölpest. «Nur laufen die Prozesse im Golf von Mexiko schneller ab, weil es hier wärmer ist. Das begünstigt die Verdunstung.» Ein grosser Teil wurde zudem natürlicherweise in kleinste Tröpfchen zerkleinert, kurz nachdem das Öl aus der Pipeline ins Meer geschossen ist. Dieses Öl gelangte gar nie an die Oberfläche. Das Ihre besorgen der Wind und die heftigen Meeresströmungen im Golf. Wie in einer riesigen Waschmaschine verwirbeln diese Naturkräfte den Ölteppich zusätzlich und verdünnen ihn in den riesigen Wassermassen.

Ein Viertel des Öls bleibt noch zurück

Je kleiner diese Ölpartikel, umso schneller werden sie von Bakterien zersetzt, die sich vom schwarzen Gold ernähren. Solche Mikroorganismen kommen vielerorts vor, doch im wärmeren Golfwasser arbeiten sie schneller als anderswo. Wie hoch ihre Umsetzungsrate allerdings ist, ist noch nicht klar, genaue Analysen sind erst in Vorbereitung.

Durchwegs gute Nachrichten also? Nicht nur, denn immer noch bleibt ein Viertel des Öls im Golf, also fast 200 Millionen Liter. Dieses schwebt als hauchdünner Film direkt unter oder auf der Wasseroberfläche oder ist zu kleinen Teerbällchen verklumpt, die zum Teil auf den Meeresgrund gesunken sind. Auch diese Überreste sind der natürlichen Verwitterung ausgesetzt, doch wie lange dies dauert und welche Schäden sie bis dahin anrichten, darüber sind sich die Wissenschaftler noch keineswegs im Klaren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.08.2010, 22:15 Uhr

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36 Kommentare

Bruno Waldvogel-Frei

07.08.2010, 10:17 Uhr
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Selten so gelacht! Harry Potter & Co. lassen grüssen. Der Hauptanteil des Öls ist gar nie an die Oberfläche gekommen und floatet als riesiger Teppich umher. Weiterhin ist der Mehrheit der Leute nicht klar, dass es vermutlich ZWEI Bohrlöcher gibt. Drittens ist die Verdunstung tatsächlich ein Problem. Zusammen mit dem Corcexit entsteht giftiger Regen, der die Pflanzen zerstört und die Atemwege. Antworten


conny reiber

07.08.2010, 10:19 Uhr
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und wer bitte soll das glauben! Der Mensch begreift nur was er sieht, da es "nichts" mehr zu sehen gibt, ist ergo wieder alles wunderbar. Eine Verarschung von A-Z. Antworten



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