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Jetzt ist er weg!
Von Matthias Meili. Aktualisiert am 07.08.2010 36 Kommentare
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Jack Hall hatte doch recht. Der Klimaforscher im Katastrophenfilm «The Day After Tomorrow», gespielt von einem überzeugenden Dennis Quaid, hat seit Jahren vor der grossen Katastrophe gewarnt. Dann ist sie auch eingetreten: Die ganze Nordhalbkugel der Erde wurde unter Eis und Schnee begraben. Schuld daran war der Golfstrom, der plötzlich abgerissen ist.
Seit Anfang August kursieren im Internet Berichte, wonach die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko genau dieses Szenario auslösen werde. Jetzt habe der Ölteppich den Golfstrom stillgelegt, heisst es da, gestützt auf die Aussagen obskurer Wissenschaftler. Steuert die Welt also unweigerlich auf ihren Untergang zu?
Der Teppich ist weg
Pech nur für die Untergangspropheten, dass der Ölteppich heute schlicht und einfach verschwunden ist. Ende Juni bedeckte der Teppich noch Tausende Quadratkilometer des Golfs. Doch jetzt ist er weg! Seit dem 3. August ist auf den Bildern der Überwachungssatelliten der amerikanischen Wetterbehörde NOAA kein Öl mehr auf der Meeresoberfläche auszumachen.
Noch besser: In einer Analyse, die die NOAA vor wenigen Tagen veröffentlichte, haben Teams von Wissenschaftlern bekannt gegeben, dass bereits drei Viertel des ausgeflossenen Öls wieder verschwunden sind. Die Forscher haben die bisher genauesten Zahlen über die Mengen an Öl veröffentlicht, die ausgeflossen sind. Zudem haben sie erörtert, was mit dem Öl passiert ist. Die Daten beruhen zum Teil auf direkten Messungen, zum Teil auf den bestmöglichen wissenschaftlichen Abschätzungen. Sie sind deshalb mit einer Unsicherheit von 10 Prozent behaftet. Demnach sind zwischen dem 22. April, als die Ölplattform gesunken ist, und dem 15. Juli, als es BP endlich schaffte, das Leck mit einem Deckel zu schliessen, rund 780 Millionen Liter Öl ausgeflossen.
Natur leistete Hauptarbeit
Ein Viertel dieser Menge haben gemäss den Angaben die Aufräumequipen der verantwortlichen Mineralölgesellschaft BP mit ihren Einsatzschiffen abgesaugt oder von der Meeresoberfläche abgeschöpft, ein Teil davon wurde zudem kontrolliert verbrannt. Ein erheblicher Anteil des ausgeflossenen Öls, nämlich 65 Millionen Liter, ist mithilfe chemischer Dispersionsmittel auf und unter der Wasseroberfläche aufgesplittet und in kleinste Tröpfchen zerlegt worden, die weniger als 100 Mikrometer Durchmesser haben, gerade so viel wie ein menschliches Haar.
Die Hauptarbeit hat jedoch die Natur selber geleistet: Ein Viertel des Öls ist an der Meeresoberfläche schlicht und einfach verdampft. «Das sind Verwitterungsprozesse, die man bei jeder Ölkatastrophe beobachtet», sagt Nancy Kinner, Professorin am Küstenforschungsinstitut der Universität New Hampshire und Beraterin der amerikanischen Regierung bei der Bekämpfung der BP-Ölpest. «Nur laufen die Prozesse im Golf von Mexiko schneller ab, weil es hier wärmer ist. Das begünstigt die Verdunstung.» Ein grosser Teil wurde zudem natürlicherweise in kleinste Tröpfchen zerkleinert, kurz nachdem das Öl aus der Pipeline ins Meer geschossen ist. Dieses Öl gelangte gar nie an die Oberfläche. Das Ihre besorgen der Wind und die heftigen Meeresströmungen im Golf. Wie in einer riesigen Waschmaschine verwirbeln diese Naturkräfte den Ölteppich zusätzlich und verdünnen ihn in den riesigen Wassermassen.
Ein Viertel des Öls bleibt noch zurück
Je kleiner diese Ölpartikel, umso schneller werden sie von Bakterien zersetzt, die sich vom schwarzen Gold ernähren. Solche Mikroorganismen kommen vielerorts vor, doch im wärmeren Golfwasser arbeiten sie schneller als anderswo. Wie hoch ihre Umsetzungsrate allerdings ist, ist noch nicht klar, genaue Analysen sind erst in Vorbereitung.
Durchwegs gute Nachrichten also? Nicht nur, denn immer noch bleibt ein Viertel des Öls im Golf, also fast 200 Millionen Liter. Dieses schwebt als hauchdünner Film direkt unter oder auf der Wasseroberfläche oder ist zu kleinen Teerbällchen verklumpt, die zum Teil auf den Meeresgrund gesunken sind. Auch diese Überreste sind der natürlichen Verwitterung ausgesetzt, doch wie lange dies dauert und welche Schäden sie bis dahin anrichten, darüber sind sich die Wissenschaftler noch keineswegs im Klaren.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.08.2010, 22:15 Uhr
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36 Kommentare
Dass die Natur in starkem Masse selbst rettend wirkt wurde bereits festgestellt. z.B. Waldsterben weitgehend eingedämmt, Wälder breiten sich aus! Oder was hat man seinerzeit nicht alles über die Verbrennungsrauche der von Saddam Hussein angefackelten Oelquellen prophezeit, nämlich jahrzentenlange Luftverschmutzung rund um den Erdball -- nach wenigen Jahren aufgelöst. Wunder der Natur ?? Antworten
Diese Erfahrung machte man bisher bei allen Oelkatastrophen: Unmittelbar nach dem Unglück wurden in grossen Lettern die katastrophalen irreversiblen Folgen beschworen, einige Monate später war das Problem jeweils zumindest aus dem Medienradar sang- und klanglos verschwunden. Auch dies zählt zu den Gründen für die zunehmende Abstumpfung der Oeffentlichkeit gegenüber Umweltkatastrophenszenarien. Antworten
652 Millionen Liter Öl. Alles nur halb so schlimm? Die Menschheit neigt dazu, die Erinnerung an Katastrophen zu verdrängen, so schnell wie möglich wieder zum Alltagsgeschäft zurückzukehren. Es sei denn, man ist direkt betroffen.Man reibt sich verwundert die Augen. Alles nur halb so schlimm? Es ist vor allem der Wunsch, aus einem großen Problem möglichst schnell ein kleines zu machen. Antworten
Dies wundert mich überhaupt nicht. Wenn man sogenannte Ölkatastrophen in der Vergangenheit etwas verfolgt hat, weiss man, dass es so kommen wird - denn es kommt immer so. Diese sogennanten Ölkatastrophen sind in Tat und Wahrheit harmlos für die Natur. Antworten
Jetzt ist er weg! Der Ölteppich im Golf von Mexiko. Einfach Augen zu und Hopla ist nichts mehr da. 65 Millionen Liter seien mithilfe chemischer Dispersionsmittel aufgesplittet und in kleinste Tröpfchen zerlegt worden. Tröpfchen von was genau? Ein Viertel soll verdampft sein. Wohin. Ins Nichts? Und ohne Fallout? Also alles nicht so schlimm und ein Grund zum Weitermachen? Sicher. Freuden wir uns. Antworten
Aus der Entwicklungspsychologie kennt man ein magisches Stadium, da glauben Kleinkinder, dass etwas nicht mehr existiert, wenn es aus dem Gesichtsfeld verschwunden is, zB weil es unter einer Oberfläche verborgen wird. Wann sollte das vorbei sein? Mit 4 Jahren? Antworten
Also alles im Butter! Die Katastrophe schaffte neue Arbeitsplätze. Fischer dürfen Tiere reinigen und so. Zwar haben wir nun die Flammenhölle im verdorrenden Russland, aber das schafft weitere Arbeitsplätze! Und wenn erst die Erde bald wie der Mars aussehen wird, dann brauchts unglaublich viel Arbeitsplätze, um sie wieder zu beleben! Dank der Katastrophen und der Grosskonzerne, der FDP, CVP und so. Antworten
Na eben. Wussten wir doch schon von Anfang an, dass dieses Öko-Geschrei nur die Paranoia / Depression dieser Leute wiederspiegelt. Also dann, lasst und zuschlagen und wieder frisch, fromm, frölich, frei weiterbohren! Ich habe einen Ami-Göppel der will gefüttert werden und eine alte Ölheizung, die sich ärgert wenn das Auto bevorzugt wird. Entwarnung total. Weiter wie gehabt! Nur kein Umdenken.Wozu? Antworten
Je nachdem, wohin die Strömung diese kleinen Partikel treiben wird, könnte es abhängig werden, wo und in welchem Ausmass sich die Menschheit durch den Verzehr von Fisch und anderen Meeresprodukten langsam aber sicher vergiftet. Auf die andere Seite, wenn der Fischfang bis auf , sagen wir , 5 Jahre ab jetzt , im Golf verboten wird, hat die Natur wieder eine Chance, sich etwas zu regenerieren. Antworten
So kann man sich das auch schönreden. Schliesslich ist der Hausmüll ja auch weg, wenn man ihn am richtigen Wochentag an die Strasse gestellt hat. Wenn man aber ehrlich sein wollte, müsste man aber sagen, dass nichts von dem ins Meer gelangten Öl weg ist, sondern sich lediglich verteilt hat auf die Weiten des Ozeans und die Atmosphäre. Von den verwendeten Chemikalien mal ganz abgesehen. Antworten
jetzt ist er weg? Ein guter Titel, leider nicht ganz ehrlich wenn man den ganzen Artikel liest. Genau genommen ist die Katastrophe noch gar nicht vorbei- Hauptsache ist dass man beim Ueberfliegen der Titel dann wieder ruhig schlafen kann- und munter weitermacht wir vorher- es war ja nur halb so schlimm und die Natur hilft sich schon selber?????? Antworten
Ist das jetzt eine gute Nachricht? Es ist so unglaublich schwierig für Laien zu beurteilen, welchem Wissenschafter man denn nun glauben soll. Das Gefühl sagt einem ja, dass sich eine Naturkatastrophe diesen Ausmasses nicht einfach so in "Luft" auflöst und irgendetwas zurückbleiben muss. Aber wissen wir's wirklich...? Antworten
Nicht mehr sichtbar ist nicht gleich weg. Egal, ob das Erdöl verdunstet (super, Erdölpartikel in der Luft), von Bakterien gefressen wird (Abfallstoffe Bakterienstoffwechsel?) oder einfach verdünnt wurde (wahrscheinlichste Variante), diese Erdölkatastrophe bleibt ein Eingriff in die Natur, den wir uns Menschen nicht anmassen dürfen. Hier wurde eine Grenze deutlich überschritten, Punkt! Antworten
Wunderbar! Dann können wir ja ab sofort auch unsere Abfälle auf die Strasse , in den Wald, in die Flüsse, Seen und Meere werfen. Denn der natürliche Zersetzungsprozess wird über kurz oder lang die Abfälle von selbst zum Verschwinden bringen - abrakadabra simsalabim! Antworten
Das ist lächerlich - seid ihr jetzt Ambassadors von BP - da hab ich lieber keinen Bericht als einen, der sich ausschliesslich auf Pressetexte der US-Regierung und BP bezieht. Geht doch mal in das Gebiet und steht auf den Sand und ihr werdet sehen dass sich das Öl 10 cm unter dem Sand befindet... einfach weg - da kann man jetzt ja munter weitermachen - ihr Journalismus ist Propaganda ohne Fundament Antworten
Dies ist auf der einen Seite natürlich eine positive Nachricht, aber auf der anderen eine negative: wieder eine Chance für ein Umdenken in Richtung nachhaltiger Wirtschaft (ohne Öl) verpasst. Nur durch Katastrophen wie diese, wird dem Menschen die aktuelle Umweltzerstörung bewusst. Die langsamen Vorgänge: Absterben der Meere, Abschmelzen der Gletscher, usw. sind nicht so einfacht zu erfassen Antworten
und alles ist wieder gut! ....tönt doch ein bisschen sehr optimistisch und schönfärberisch dieser artikel, nicht? ohne bestreiten zu wollen, dass tatsächlich schon viel erreicht wurde, möchte ich darauf hinweisen, dass unter der Meeresoberfläche auch ziemlich grosse Ölwolken entdeckt wurden. Antworten
Selten so gelacht! Harry Potter & Co. lassen grüssen. Der Hauptanteil des Öls ist gar nie an die Oberfläche gekommen und floatet als riesiger Teppich umher. Weiterhin ist der Mehrheit der Leute nicht klar, dass es vermutlich ZWEI Bohrlöcher gibt. Drittens ist die Verdunstung tatsächlich ein Problem. Zusammen mit dem Corcexit entsteht giftiger Regen, der die Pflanzen zerstört und die Atemwege. Antworten
Und wer soll das jetzt glauben? Ich bin sehr überrascht, wie einfach die PR-Abteilungen der Konzerne altehrwürdige Medien einspannen können. Bis gestern: die grösste Katastrophe der Menschheit, ganze Ökosystem in Gefahr. Und heute? Alles weg, alles gut Leute. Macht euch keine Sorgen mehr. Konsterniert über soviel Dreistigkeit. Antworten
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Fredi Emmenegger
Das ist ja wunderbar! Wenn das wahr ist mit der ach so schadstofftoleranten Natur können wir ja unsere Abwässer und sonstigen Sondermüll wieder ungeklärt in das Meer kippen! Bei mehreren 100 Mio Tonnen Öl gibt es sicher einen (bisher nicht kalkulierbaren) Einfluss auf das Ökosystem. Jetzt schon "Er ist weg!" zu schreien erscheint mir nicht sonderlich seriös. Antworten