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In den USA bleibt Samstags die Mailbox leer

Auch in den USA muss die Post massiv sparen. Ihre 260'000 Autos sollen deswegen künftig am Samstag in der Garage bleiben.

Wie rollende Schuhkartons: ein Auto der US-Post.

Wie rollende Schuhkartons: ein Auto der US-Post.
Bild: zvg

Sie gehören zu Amerikas Strassenbild wie die mächtigen Feuerwehrzüge oder die entengelben Schulbusse. Jedes Kind in den USA kennt die schmucklosen, aber markanten Autos der Post, rollende Schuhkartons, seit Ewigkeiten scheinbar unberührt von Zeit und technischem Fortschritt. Wie ungelenke Käfer, die an jeder Einfahrt entkräftet eine Pause machen, tuckeln sie gemütlich durch Städte, Dörfer und endlose Vororte. Der Postmann klingelt nur in Hollywood. Im wahren Leben lehnt er sich weit aus dem Fenster und schiebt seine Sendungen in die auf Pfähle an den Strassenrand montierte Mailbox.

Zu ineffizient

260'000 dieser klobigen Postgefährte gibt es, die grösste Autoflotte der Welt. Künftig sollen sie nur noch fünf Mal pro Woche ausschwärmen. Denn der Postdienst der USA steckt in akuten Nöten. Das Briefaufkommen geht seit Jahren zurück, zuletzt 2009 um 13 Prozent. Internet, private Konkurrenz und die Rezession machen dem Postal Service zu schaffen. Verluste von 3,8 Milliarden Dollar standen voriges Jahr in den Büchern. Es muss gespart werden. Aber wo? Zehntausende Beamte wurden schon entlassen, die Gebühren angehoben, Postämter geschlossen. Eine Privatisierung kommt nicht in Frage, weil Gutachter der Behörde bescheinigt haben, zu ineffizient zu sein, um im freien Wettbewerb zu überleben. Das Gesetz aber verlangt, dass ein erschwinglicher Briefdienst alle Haushalte im Land versorgt.

Drittgrösster Arbeitgeber

Deshalb will Behördenchef John Potter jetzt die Notbremse ziehen: Samstags sollen keine Briefe mehr ausgefahren werden. Voriges Jahr wurde der Vorschlag im Kongress noch abgeschmettert, jetzt hat er gute Chancen.52 Prozent der US-Bürger hätten damit laut Umfragen kein Problem. Sie wollen lieber auf die Zustellung am Wochenende verzichten als höhere Gebühren zahlen. Auch Umweltschützer dürften aufatmen. Bei einem Verbrauch von 23 Litern auf 100 Kilometern wird jeder Brief zum Klimakiller. Die Postgewerkschaft aber ist empört, sie fürchtet um die Jobs. Mit rund 650000 Mitarbeitern ist der Postal Service nach dem Militär und der Supermarktkette Wal-Mart der drittgrösste Arbeitgeber in den USA. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.03.2010, 08:44 Uhr

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