«Ich wusste schon immer, dass Putin sehr schlau ist!»

Wladimir Putin verzichtet auf Gegenmassnahmen der amerikanischen Sanktionen. Dafür erntet er Worte der Anerkennung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump.

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Der künftige US-Präsident Donald Trump hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin dafür gelobt, dass dieser zunächst auf Gegenmassnahmen für die von der scheidenden amerikanischen Regierung verhängten Sanktionen verzichtet. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb Trump, der Aufschub sei ein «grossartiger Schritt». Trump fügte hinzu: «Ich wusste schon immer, er ist sehr schlau!»

«Ein grossartiger Schritt», sagt Trump. (Video: Reuters)

Die russische Botschaft habe den Tweet «New York Times» binnen Minuten weitergeleitet. Trump hatte den Tweet für kurze Zeit bei seinem Account oben angeheftet.

In der Affäre um mutmassliche russische Hackerangriffe im US-Wahlkampf hat der scheidende Barack Obama am Donnerstag die Ausweisung von 35 russischen Diplomaten und die Schliessung zweier russischer Einrichtungen in den USA angeordnet. Präsident Putin teilte tags darauf mit, er wolle entgegen eines Vorschlags seines Aussenministers Sergej Lawrow keine US-Diplomaten des Landes verweisen.

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Trump auf Konfrontationskurs mit den Medien

Wenige Stunden nach seinem Lob von Putin setzte der designierte US-Präsident eine weitere Twitter-Meldung zum Thema ab. Die TV-Sender CNN und CBS würden von den Russen vorgeführt und hätten keine Ahnung, schreibt Trump. Nur der (den Republikanern nahe stehende) Sender Fox News habe den totalen Durchblick.

Die Redaktion der «Washington Post» reagierte denn auch mit einem pointierten Statement auf das Verhalten Trumps: «Seine abschätzige Reaktion macht die Fragen über seine früheren Verbindungen zu Russland und über seine Kooperationspläne mit Wladimir Putin nur noch gewichtiger. ... Der Versuch, die amerikanische Demokratie zu untergraben, sollte für jedweden Politiker unverzeihbar sein – auch wenn er selbst davon profitiert.» Die Geheimdienste seien sich einig, die Situation sei klar: Ein anderer Staat habe mit Hacker-Angriffen Daten gestohlen und auf eine Art veröffentlicht, um die US-Wahlen zu beeinflussen.

Auch weitere US-Journalisten teilen diese Ansicht. So twitterte Kurz Eichwald von «Vanity Fair» und «Newsweek»: «Schon wieder zu sehen, wie Trump Putin lobt, während sein Team die amerikanischen Geheimdienste beleidigen, ist einer der erschreckendsten Momente meines Lebens.»

Matthew Dowd von «ABC News» richtet sich derweil direkt an Trump, sein Team und seine Fans: «Wieso glaubt ihr, Präsident Obamas Absichten sind schlecht und Putins Absichten gut?»

Der ehemaliger CIA-Agent und Republikaner Evan McMullin meint, als früherer KGB-Mitarbeiter wisse Putin genau, dass Trump wegen «seines Ego, seiner finanziellen Schwächen und seiner autoritären Tendenzen» einfach manipulierbar sei.

Eine weitere ehemalige CIA-Mitarbeiterin, Nada Bakos, schreibt: «Wenn ich CIA-Agent wäre und einer meiner Kollegen so sprechen würde wie Trump, würde ich wohl denken, er sei übergetreten.»

Aus den eigenen Reihen erhält Trump aber auch Unterstützung. So meint Radio-Moderator Bill Mitchell, Obama habe eine Dritten Weltkrieg starten wollen und Putin habe bloss gelacht. «Heute sah Trump smart und stark aus, während sich Obama lächerlich machte.»

Trump wird Obama am 20. Januar als Präsident der Vereinigten Staaten ablösen. Normalerweise bringen sich gewählte Präsidenten bis zu ihrem Amtsantritt nicht so stark in die Politik ein.

(mch/fal/sda)

(Erstellt: 30.12.2016, 22:08 Uhr)

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