George W. Bush beklagt sich über Jimmy Carter
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 01.03.2010
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Wer als amerikanischer Präsident im Weissen Haus wohnte oder wohnt, ist Mitglied im exklusivsten Klub auf Erden. Eine der Spielregeln dieser Vereinigung besagt, dass sich die Ehemaligen zumindest in der Öffentlichkeit nicht abfällig über ihren amtierenden Kollegen auslassen. Dies gilt als Taktlosigkeit.
Der kritisierte Präsident seinerseits hält sich unter Verweis auf die Würde des Amtes bedeckt, lässt notfalls jedoch seine Unterlinge gegen den Kritiker keilen. Oder er wartet, bis er selbst Ex-Präsident geworden ist. So jedenfalls tat es George W. Bush, der sich am Wochenende bei einem Ehemaligentreffen mit Angehörigen seiner Administration bitter über Jimmy Carter beklagte.
Keine Worte über Obama
Beim Frühstück mit Getreuen verriet Bush, dass er versuche, ein gewisses Mass an «Anonymität» zu erlangen, und nicht den Wunsch verspüre, «mich im Fernsehen zu sehen». Und keinesfalls wolle er einem «Gremium früherer Präsidenten angehören, das den gegenwärtigen Präsidenten instruiert, was er tun soll», sagte Bush hinter verschlossenen Türen. Tatsächlich hat sich der Texaner bislang kaum über Barack Obama ausgelassen und am Nachfolger nur ein einziges Mal milde gekrittelt.
Dann aber kam Bush zur Sache: Er habe es «nicht gemocht, als mir ein gewisser ehemaliger Präsident – und es war nicht der einundvierzigste oder zweiundvierzigste Präsident – das Leben schwergemacht hat». Nummer 41 ist Bushs Vater, Nummer 42 Bill Clinton, weshalb sich Bushs Lamento nur auf Nummer 39, den Farmer aus Georgia, beziehen kann, der dem Texaner den Irak-Krieg und die Folterungen von Terrorverdächtigen vorgeworfen hatte.
Cheney feuert aus allen Rohren
George W. Bush mag darüber pikiert gewesen sein, sein Ex-Vize Dick Cheney hält andererseits mit seiner Kritik an Obama nicht hinter dem Berg und feuert aus allen Rohren auf den demokratischen Präsidenten. Carter ist freilich kein ehemaliger Vizepräsident, auch griff er nicht nur Bush an, sondern missbilligte zudem die sexuellen Allüren Clintons. Und während Clinton zu wohltätigen Zwecken, etwa der Hilfe für das erdbebengeschädigte Haiti, sowohl mit dem älteren als auch dem jüngeren Bush im TV Geld sammelte, verrichtet Carter seine guten Taten stets solo.
Einzigartig war Carters Kritik am jüngeren Bush aber nicht: Ex-Präsident John Quincy Adams beschrieb seinen Nachfolger Andrew Jackson als «Barbaren, der keinen richtigen Satz schreiben und kaum seinen Namen buchstabieren kann», derweil Teddy Roosevelt Präsident Woodrow Wilson gar als «infernalisches Stinktier» beschimpfte.
Riskantes Spiel von Fords
Nicht überliefert ist, was Lyndon Johnson über das Liebesleben seines Vorgängers John F. Kennedy von sich gab. Die intellektuelle Mittelmässigkeit Gerald Fords aber fasste er in ein boshaftes Urteil: Ford, befand er, habe «Football ohne Helm gespielt». Womit wie auch im Falle Carters einmal mehr bewiesen wäre, dass die gewaltigen Egos von US-Präsidenten keinesfalls schrumpfen, nachdem sie dem Weissen Haus den Rücken gekehrt haben.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.03.2010, 13:42 Uhr
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