«Einer der brutalsten Killer Mexikos»
Interview: Jan Knüsel. Aktualisiert am 31.08.2010 6 Kommentare
Acht Tote bei Anschlag in Cancún
Bei einem Anschlag auf eine Bar im Norden des mexikanischen Ferienortes Cancún sind in der Nacht zum Dienstag acht Menschen getötet worden. Das teilte am Dienstag die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Quintana Roo mit.
Demnach warfen Unbekannte mehrere Molotow-Cocktails in die kleine Bar. Sie ging sofort in Flammen auf. Acht Besucher kamen in den Flammen ums Leben. Die Tat ereignete in einem entlegenen Teil der Stadt, in dem nur Einheimische verkehren.
Die Behörden vermuten, dass der Anschlag mit der Drogenkriminalität in der Region in Verbindung steht. Lokalen Zeitungsberichten zufolge wird auch nicht ausgeschlossen, dass der Eigentümer es abgelehnt hatte, Schutzgeld zu zahlen.
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Wer ist Edgar Valdez Villareal alias «La Barbie»?
Einer der brutalsten Drogenbosse und Killer Mexikos. Er wurde in der texanischen Grenzstadt Laredo geboren und entstammt einer ausgewanderten mexikanischen Mittelstandsfamilie. Seine Hauptaufgabe bestand darin, Killerbanden auszubilden und ihre Aktivitäten zu koordinieren, zunächst für das Sinaloa-Kartell, danach für jenes der Gebrüder Beltrán Leyva. Seinen Übernamen verdankt er der Tatsache, dass er mit seinen blauen Augen an Ken erinnert, den Gefährten der Barbie-Puppe.
Als wie wichtig ist seine Verhaftung einzuschätzen?
Mit der Verhaftung von Valdez hat der Staat ohne Zweifel eine wichtige Schlacht gewonnen – aber noch lange nicht den Drogenkrieg. Es ist zu befürchten, dass innerhalb der von «La Barbie» angeführten Fraktion nun Nachfolgekämpfe ausbrechen, was die Gewalt sogar anheizen könnte.
Welche Kartelle agieren noch in Mexiko?
In Mexiko agieren sieben grosse Drogenkartelle sowie mehrere Untergruppierungen. Das mächtigste Kartell ist jenes von Sinaloa. Sein Anführer ist Joaquín Guzmán Loera, genannt «El Chapo», der Kleine. Dies, weil er nicht einmal 1.60 Meter gross ist. Eine Zeitlang hat auch «La Barbie» für das Kartell von Sinaloa gearbeitet, eher er sich gemeinsam mit den Leyva-Brüdern lossagte. Weitere grosse Drogensyndikate sind das Golf- und das Pazifikkartell, das Kartell von Tijuana sowie eine Gruppe, die sich «La Familia» nennt.
Wer wurde bislang gefasst?
In letzter Zeit ist es den mexikanischen Ordnungskräften gelungen, mehrere mächtige Drogenbosse zu verhaften oder während eines Gefechts zu erschiessen. Neben Arturo Beltrán Leyva wurde etwa kürzlich ein Boss namens Ignacio «Nacho» Coronel erschossen, während man Eduardo Arellano Félix «El Doctor» und Teodoro García Simental «El Teo» verhaftet hat.
Welche Akteure sind noch auf freiem Fuss?
Der wichtigste ist sicher Chapo Guzmán, der 2001 in einem Wäschewagen versteckt aus einem Hochsicherheitsgefängnis geflohen ist und von dem man zumindest offiziell keine Ahnung hat, wo er sich aufhalten könnte. Auf seine Ergreifung sind allein in den USA 5 Millionen Dollar ausgesetzt. Auch sein Stellvertreter Ismael «El Mayo» Zambada ist nach wie vor auf freiem Fuss. Eine rätselhafte Figur ist der Capo Juan José Esparragoza «El Azul», der seit drei Jahrzehnten aktiv ist. Er gilt als vornehm, freundlich und zurückhaltend und soll ein ausgezeichneter Unterhändler sein.
Wie wird sich der Drogenkrieg weiterentwickeln?
Darüber kann man im Moment nur spekulieren. Trotz der erwähnten Fahndungserfolge scheint der Staat ausserstande, den hochgerüsteten Drogenkartellen beizukommen. Es mehren sich deshalb in Mexiko die Stimmen, die nach einer Art Stillhalteabkommen verlangen – als kleineres Übel sozusagen, das dem ständigen Blutvergiessen ein Ende bereiten könnte.
Hat Präsident Calderón noch die Unterstützung des Volkes?
Ja, eine Mehrheit des Volkes befürwortet die harte Linie des mexikanischen Präsidenten. Allerdings werfen ihm immer mehr Kommentatoren vor, den staatlichen Angriff auf die Macht der Kartelle zu wenig sorgfältig vorbereitet zu haben.
Was ist die Rolle der USA in diesem Konflikt?
Die USA spielt im mexikanischen Drogenkrieg eine unrühmliche Rolle. Zum einen sind die Vereinigten Staaten der weltweit wichtigste Absatzmarkt für Drogen, zum anderen kaufen die mexikanischen Banden 90 Prozent ihrer Waffen im Norden, wo diese je bekanntlich leicht erhältlich sind. Falls Mexiko den Drogenkrieg gewinnen soll, müsste die US-Regierung ihre bisher eher zurückhaltend gewährte Hilfe massiv verstärken.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.08.2010, 17:45 Uhr
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6 Kommentare
Paris Hilton (gestern wegen Kokainbesitz verhaftet) und alle Kokainkonsumenten weltweit tragen eine traurige Mitverantwortung an den Opfern der Drogenkriege. Finden sie nun in Mexico, Kolumbien oder in den brasilianischen Favelas statt. Eine weitere Mitverantwortung gilt den Behörden, die gegen bekannte Künstler, welche offensichtlich Kokain konsumieren, nicht vorgehen (i.e. Amy Whitehouse etc.) Antworten
Ich denke, dass es nicht möglich sein wird mit äusseren Massnahmen das "Rauschgiftproblem" zu lösen. Drogen jeglicher Art sind ein intrapersonales Problem welches beim Verbraucher zu lösen ist! - Insofern ist der Focus auf Produktion und Handel der falsche Ansatz. Das diese These stimmt, sieht man in der Geschichte des Alkohols. Das "Ich" muss seine Nachfrage stoppen, jedes für sich allein! Antworten
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