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Die neuen Räuberbarone und die Politik

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 19.01.2012 13 Kommentare

Mit den sogenannten Super-PACs wird die amerikanische Politik zunehmend eine Sache des Geldes. Die Räuberbarone von einst werden ersetzt durch die Herren des Universums der Wallstreet.

Keine Kommunikation erlaubt: Kandidat Newt Gingrich (l.) musste seinen Wahlkampfsponsor Sheldon Adelson via Presse auffordern, ein Anti-Romney-Video zu korrigieren.

Keine Kommunikation erlaubt: Kandidat Newt Gingrich (l.) musste seinen Wahlkampfsponsor Sheldon Adelson via Presse auffordern, ein Anti-Romney-Video zu korrigieren.
Bild: Reuters

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Die Jahrzehnte um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts werden in den USA nach einem Roman von Mark Twain «The Gilded Age» genannt. Es war die Ära der «Räuberbarone». So nannte man die führenden Industriebosse jener Zeit. Zu ihnen gehörten John D. Rockefeller, J.P. Morgan, die Vanderbilts und Carnegies. Sie beherrschten die Ölindustrie, die Eisenbahnen, die Banken, Stahl, Chemie und Elektrizität. Sie beherrschten auch die Politik. Von Mark Hanna, einem legendären politischen Strippenzieher jener Ära, stammt das Bonmot: «Die drei wichtigsten Dinge in der amerikanischen Politik sind Geld, Geld – und das dritte habe ich vergessen.»

Zwischen dem Gilded Age und dem modernen Amerika gibt es viele Parallelen. Damals wurden die Elektrizität und das Auto langsam massentauglich, heute ist es das Internet. Die Räuberbarone von damals waren eine schmale Schicht von Superreichen. Heute sind die Banker und Hedgefondsmanager die neuen Herren des Universums. Die Wallstreet hat die Räuberbarone ersetzt.

Unterstützung in unbeschränktem Umfang

In seinem Roman schildert Mark Twain, wie Washington durch das neue Geld in einen korrupten Sumpf verwandelt wird. Auch da gibt es heute leider eine Parallele: die Super-PACs. Die Abkürzung «PAC» steht für «Political Action Committee». Darunter versteht man eine anonyme Gruppe von Spendern, die einen bestimmten Kandidaten in unbeschränkter Höhe finanziell unterstützen darf. Allerdings gibt es dabei einen Vorbehalt: Das Komitee und der Kandidat dürfen sich untereinander nicht absprechen. Das ist etwa so, wie wenn der Milliardär Blocher der SVP einen Wahlkampf finanzieren würde, aber nicht mit Parteichef Toni Brunner kommunizieren dürfte.

Der aktuelle Wahlkampf der USA wird immer stärker von diesen Super-PACs dominiert. Im als für besonders dreckige Schlammschlachten bekannten South Carolina kommt es zu grotesken Auswirkungen. So hat ein vom Casino-König Sheldon Adelson finanziertes Super-PAC für Newt Gingrich eine Anti-Romney-Kampagne für fünf Millionen Dollar finanziert. In den Werbespots gibt es jedoch verschiedene Unwahrheiten. Deshalb ist Gingrich vor die TV-Kameras getreten und hat sein Super-PAC aufgefordert, diese Unwahrheiten in den Spots doch bitte zu entfernen.

Gefundenes Fressen für Comedians

All dies wirkt unfreiwillig komisch, und die beiden führenden Comedians der Gegenwart, Stephen Colbert und Jon Stewart, haben sich nicht zweimal bitten lassen. Colbert hat sich nun als neuer Präsidentschaftskandidat gemeldet und Stewart als seinen Super-PAC-Chef eingesetzt. Wie die beiden das Problem lösen, dass sie nicht direkt miteinander sprechen dürfen, ist umwerfend witzig («Daily Show» im Internet).

Die Realität ist leider alles andere als lustig. Wie im Gilded Age ist Washington wieder im Begriff, ein korrupter Politsumpf zu werden. Und dank den Super-PACs gilt einmal mehr: Die drei wichtigsten Dinge der amerikanischen Politik sind Geld, Geld – und das dritte habe ich vergessen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.01.2012, 15:17 Uhr

13

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13 Kommentare

Adrian Müller

19.01.2012, 17:13 Uhr
Melden 39 Empfehlung

Es entwickelt sich immer mehr eine Art Finanz-Feudalismus, der einen an die Zeiten vor der französischen Revolution erinnert. Diese Entwicklung ist global, sie beschränkt sich nicht auf die USA. Aber vielleicht haben die Menschen ja irgendwann genug davon und es wiederholt sich die Geschichte, und wir erleben eine Art globalen 14. Juli 1789... Antworten


Karl Manz

19.01.2012, 15:57 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Lassen wir doch die Amis. Die versumpfen in ihrem eigenen Dreck. Dass Geld die Welt regiert ist auch nicht neu, es regiert auch die Schweiz und die Schweizer. Wer Geld hat ist willkommen an der Bahnhofstrasse und wer keines hat, ja da gibt es ja den herzlichen Abschiedsgruss "uf wiederluege"! Machen wir und doch nichts vor, wir sind ein kleines Land aber nicht anders als die andern. Antworten



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