Ausland
Die meistgesuchte Frau der Welt
1/5
Promovierte am MIT: Aafia Siddiqui.
Bild: KEYSTONE/AP
Artikel zum Thema
Es geschah im Juli 2008. In Gazni, einer kleinen afghanischen Stadt rund 80 Kilometer südlich von Kabul, wurde eine Frau in einer Burka verhaftet, zusammen mit ihrem elfjährigen Sohn. Sie seien Selbstmordattentäter, meinte die Polizei. Das FBI wurde laut der britischen Zeitung «Guardian» auf die beiden aufmerksam. Sie sollen Pläne sowie Flaschen mit Chemikalien für einen Anschlag in den USA auf sich getragen haben. Ihr primäres Ziel: die Freiheitsstatue.
Die Frau und der Junge wurden in einen Verhörraum der Polizei gebracht. Zwei FBI-Agenten und zwei Armeeoffiziere kamen hinzu. Der Frau soll es dabei gelungen sein, eine Waffe an sich zu reissen und zwei Schüsse abzugeben. Niemand wurde verletzt. Die Frau konnte übermannt werden. Sie habe dabei geschrien, dass sie «Amerikaner umbringen» wolle. So wird berichtet.
Kreuz und quer durch Pakistan
Nun kommt die Frau in Manhattan vor Gericht. Es handelt sich um die 37-jährige Dr. Aafia Siddiqui, Neurowissenschaftlerin aus Pakistan und dreifache Mutter. Sie verneint, dass sie auf der Polizeistation in Gazni geschossen haben soll, wie der «Guardian» berichtet.
Der Journalist Declan Walsh vom «Guardian» hat sich auf die Spuren der 1972 geborenen Aafia Siddiqui gemacht und Erstaunliches zu Tage gebracht. Er reiste quer durch Pakistan, sprach mit Verwandten, Behörden und Agenten. Für ihn ist es eine weitere äusserst nebulöse Geschichte mehr im Antiterrorkrieg der USA. Siddiqui gelangte auf die Liste der weltweit meistgesuchten Frauen des FBI. Und sie wurde zur «Mata Hari der al-Qaida» ausgerufen. Die «New York Post» nannte sie «Al-Qaida Mom».
Für 10'000 Dollar Nachtsichtgeräte
Soviel steht fest: Aafia folgte 1990 ihrem Bruder in die USA und legte eine beeindruckende Karriere am Massachusetts Institute of Technology hin. Sie heiratete einen jungen Arzt aus Karachi, Amjad Kahn. Bald folgte ihr erstes Kind, Ahmed.
Siddiqui war aber auch Muslimaktivistin. So sammelte sie unter anderem Geld für wohltätige Organisationen. Diese, so der «Guardian», hatten oft eine Verbindung zur Al-Qaida. Drei dieser Gruppierungen wurden deshalb in den USA verboten. Nach den Anschlägen vom 11. September wurde das FBI auf das Ehepaar aufmerksam. Sie sollen für 10'000 Dollar Nachtsichtgeräte, Handfeuerwaffen und Militärratgeber übers Internet erstanden haben. Amjad Kahn sagte aus, er habe die Gegenstände für einen Jagdausflug benötigt. Die Ehe zerbrach wenig später.
Aafia Siddiqui wurde in der Folge mehrmals wieder mit Al-Qaida in Verbindung gebracht. So soll sie einem Anführer der Organisation bei der Einreise in die USA geholfen haben. Und zurück in Pakistan heiratete sie Ammar al-Baluchi, einen Neffen des mutmasslichen 9/11-Drahtziehers Khalid Sheikh Mohammed. Danach verschwand sie.
«Unaussprechliches Leid»
Kurz zuvor soll Sheik Mohammed ihren Namen genannt haben – eventuell auch unter dem Druck des Waterboardings, mit dem er damals 183 Mal pro Monat gefoltert wurde. So gelangte Siddiqui jedenfalls auf die Most-wanted-Liste der USA, sie sei eine Helferin von Osama Bin Laden und «gefährlich und bewaffnet», hiess es von oberster Stelle im Justizministerium.
Doch ihre Familie erzählt dem «Guardian» eine andere Geschichte. Siddiqui sei nicht einfach verschwunden. Sondern sei im gefürchteten Bagram-Gefängnis in Kabul festgehalten worden, wo sie laut dem Zeitungsbericht «unaussprechliches Leid» erfahren musste. Doch sowohl die US-Armee, FBI und CIA verneinen, die Frau dort festgehalten zu haben.
Unschuldige festgehalten, Beweise fehlen
Nach der Verhaftung im Juli 2008 auf der Polizeistation in Gazni kommt es nun zum Prozess in den USA, wo die Verteidigung zurzeit noch versucht, Siddiqui aus psychischen Gründen für vernehmungsunfähig zu erklären. Für viele, vor allem für die Menschen in Pakistan, ist der Prozess laut «Guardian» eine weitere juristische Farce im Kampf der USA gegen den Terror, wo Unschuldige festgehalten würden und Beweise fehlten.
Ein erfahrener pakistanischer Beamte sagte dem «Guardian»-Reporter: «Vielleicht haben die Amerikaner gar keine Anklagepunkte gegen sie. Vielleicht wollen sie ihre Informationsquellen nicht verraten. Oder vielleicht wollen sie diese Person einfach nicht mehr in die Welt hinauslassen. Die Sache ist die, wir werden es nie wissen.» (sam)
Erstellt: 24.11.2009, 13:04 Uhr
Ausland
Meistgelesen in der Rubrik Ausland
Emil Frey AG Autocenter Bern
Umfrage
Finden Sie es richtig, dass das Parlament Killerspiele in der Schweiz verbieten will?
Body Coach
-
Der BodyCoach hilft Ihnen, gesund und nachhaltig abzunehmen. Er stellt einen individuellen Ernährungsplan zusammen, erstellt Einkaufslisten, schlägt Rezepte vor und unterstützt Sie beim Training.
24 Stunden in Bildern
Publireportage
Sagen Sie es nicht! Tabusätze in der Beziehung
ElitePartner.ch verrät, welche Sätze Sie besser für sich behalten sollten.






