Die Wut der Massen auf Barack Obama
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 13.09.2009
Aus allen Teilen des Landes sind die Menschen nach Washington gereist. Sie folgen dem Ruf der Stiftung «Freiheit funktioniert» («Freedom Works»), um ihren Ärger gegen die Pläne der Regierung zu demonstrieren. Zum «Sternmarsch nach Washington» haben die Organisatoren gerufen, und noch immer treffen Busse aus allen Landesteilen in der Hauptstadt ein.
Wütend ziehen die Demontranten durch die Pennsylvania Avenue, an der das Weisse Haus steht. Mehrere Strassen rund um das Regierungsviertel sind verstopft, wie das Sicherheitsministerium meldet. Sie halten Plakate in die Höhe, auf denen sie ihren Unmut mit Filzstift in Worte fassen: «Ich bin nicht dein Bankomat», steht da, «Obamacare macht mich krank», «Sozialismus».
«Washington Tea Party»
Eine «Tea Party» nennen die Organisatoren den Aufmarsch auch – in Anlehnung an die 1773 von den ersten Patrioten tief im Bostoner Hafen versunkenen Teeladungen der Briten, die den Anfang eines historischen Umsturzes markierten. Tatsächlich tragen manche der Demonstranten Kostüme aus der Kolonialzeit – wie sie es schon im April bei ihren Protesten gegen die Unterstützungsprogramme für die Banken getan hatten.
Die aufgebrachten Bürger werfen Obama vor, dass er sie mit seiner Politik direkt in den wirtschaftlichen Ruin führe. Die vielen Stimuli der Regierung lösten eine Inflation aus, die immense Staatsverschuldung ersticke das Land. «Meine Enkel werden für das hier bezahlen», zitiert die «Huffington Post» einen wütenden Mann. «Das kostet einfach zu viel Geld, das wir nicht haben.»
Der Massenauflauf sei «der Höhepunkt einer den ganzen Sommer währenden Saison der Demonstrationen», schreibt die «New York Times». Sie hätte mit dem Widerstand gegen die Gesundheitsreform begonnen und sich jetzt zu einer umfassenden Unzufriedenheit ausgewachsen.
Die Reporterin schreit gegen die Menge an
Für sich spricht der Beitrag von CNN: Die Reporterin versucht lautstark, gegen die Menge anzuschreien. Ein Demonstrant hält sein Plakat ins Bild: «Beerdigt Obamacare mit Kennedy» steht darauf – ein Verweis auf den Tod des letzten Kennedy-Bruders Edward, der am 25. August gestorben ist. Der Demokrat Kennedy hatte sich im Kongress vehement für einen Ausbau der Gesundheitsversorgung eingesetzt. Für Obama wäre er in diesen Zeiten ein wichtiger politischer Partner gewesen.
Am Sonntag versucht der Präsident in «60 Minutes» von CBS noch einmal, die Amerikaner hinter sich zu scharen. Er sei nicht der erste Präsident, der das amerikanische Gesundheitswesen reformieren wolle, hatte er am Mittwoch in seiner Grundsatzrede vor dem Kongress gesagt. Aber er sei entschlossen, der letzte zu sein. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.09.2009, 07:46 Uhr
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