Die Autokrise verändert die amerikanischen Städte
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 30.04.2009 6 Kommentare
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Noch vor Jahresfrist hat sich General Motors mit Toyota ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des grössten Autounternehmens der Welt geliefert. Heute hat man ganz andere Sorgen. Der neueste Sanierungsplan sieht vor, dass GM nochmals 21'000 Jobs am Fliessband streichen wird, nochmals 13 Fabriken schliessen, sein Händlernetz halbieren und nun auch die Marke Pontiac aufgeben will. Wenn diese Pläne umgesetzt werden – und das wird mit grosser Wahrscheinlichkeit der Fall sein – dann ist das einst bedeutendste Unternehmen auf einen Zehntel seiner einstigen Grösse geschrumpft: 38'000 Mitarbeiter und 34 Fabriken wird GM Nordamerika dann noch haben, in der Blütezeit der 1970er-Jahre waren es 395'000 Mitarbeiter und rund 150 Fabriken.
Den beiden anderen Autohersteller in Detroit geht es ähnlich mies (Chrysler) oder nur wenig besser (Ford). Logisch, dass dieser Kollaps nicht nur Zehntausende von Jobs vernichtet, er verändert auch radikal das Aussehen der Städte. Nicht nur Detroit, sondern der ganze Bundesstaat Michigan ist davon betroffen.
Dokumentarfilmer Michael Moore zeigte den Niedergang
Ein Paradebeispiel in Sachen Niedergang ist Flint. In den 60er-Jahren war es eine wohlhabende Stadt mit 200'000 Einwohnern und der Aussicht, diese Zahl nochmals zu verdoppeln. Der Niedergang begann jedoch schon in den 1980er-Jahren, dokumentiert etwa in Michael Moores Film «Roger and Me». Heute leben noch 110'000 Menschen in Flint, ein Drittel davon in Armut. Das wiederum hat Folgen: Die Stadt ist überschuldet, muss Feuerwehrmänner und Polizisten entlassen und Schulen schliessen.
Flint steckt in einer Elendsspirale. Die Krise hat dazu geführt, dass immer mehr Häuser verlassen werden und verlottern. Das macht eine schlimme Situation noch schlimmer. Kriminalität, Drogen und Prostitution breiten sich aus, der Müll wird nicht mehr entsorgt. Jetzt will man diesen Teufelskreis durchbrechen. Bürgermeister Michael K. Brown plant radikale Schritte: Er will ganze Stadtteile abreissen lassen. Weil es keine Jobs mehr gibt, soll in Flint das gleiche geschehen wie in verlassenen Tessiner Bergtälern: Das Gebiet soll renaturiert werden. Anstatt verlotterte Häuser sollen neu gepflanzte Bäume in den Elendsquartieren stehen. Nicht nur die Kriminalität wird damit ausgerottet. Es wird so eine Umgebung geschaffen, und Flint wieder attraktiv für neue Einwohner macht.
Hühner und Bienenstöcke in den Vorgärten
Auch andere US-Städte passen sich der veränderten Wirtschaftslage an. So berichtet die «New York Times», dass New Haven im Bundesstaat Connecticut neuerdings die Haltung von Nutztieren in der City zumindest duldet. Unweit der berühmten Yale University gackern in Vorgärten neuerdings Hühner, gepflegt gleichermassen von ökologisch orientierten Professoren oder armen Einwanderern.
Arndere folgen diesem Beispiel. Insgesamt erlauben 53 US-Städte das Halten von Hühnern, oder gehen noch weiter: In Seattle beispielsweise darf man neuerdings bis zu drei Ziegen im Vorgarten weiden lassen, in Minneapolis sind Bienenstöcke legalisiert worden. Haben die Stadtoberen keine Angst vor Schweine- und Vogelgrippe? Nein, sagen sie. Schuld an diesen Krankheiten seien nicht die paar Hühner oder Ziegen in den Vorgärten, sondern die Massenhaltung in den Tierfabriken. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.04.2009, 16:46 Uhr
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6 Kommentare
Die Geschichte wiederholt sich immer wieder, GM hat ganz sicher über Toyota gelächelt, statt dass sie vorallem im Bereich Energie-Effizienz von den lächelnden Japaner gelernt haben, merkten sie nicht dass sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Es gibt in der Vergangenheit unzählige Beispiele dieser Arroganz und es wird sie auch in Zukunft geben, Hochmut kommt vor dem Fall. Antworten
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