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Der neue Held von Fort Hood

Nach dem Amoklauf eines muslimischen Armeepsychiaters auf einem US-Militärstützpunkt wurde eine Polizistin als Heldin gefeiert – möglicherweise zu Unrecht.

(Quelle: Youtube)

Nach dem Amoklauf von Fort Hood vor acht Tagen war eine Polizistin mit viel Lob bedacht worden. Kimberley Munley habe den Täter, den Militärpsychologen Nidal Malik Hasan, mit vier Schüssen verletzt, obwohl sie selbst von mindestens drei Kugeln getroffen worden sei, erklärte der Kommandeur des grössten US-Militärstützpunkts im texanischen Fort Hood, Generalleutnant Bob Cone. Selbst US-Präsident Barack Obama sprach von Heldentum, das die Schiesserei beendet habe. Der 39-jährige muslimische Major Hasan, der nach Afghanistan geschickt werden sollte, hatte bei seinem Amoklauf 13 Menschen getötet. 42 weitere Personen erlitten teils schwere Verletzungen.

«Mein Sohn ist auch ein Held»

Inzwischen gibt es Zweifel an der Heldentat der 34-jährigen Polizistin, die zufällig in der Gegend und binnen drei Minuten zur Stelle war, als sie von dem Amoklauf erfuhr. Laut einem Bericht der Zeitung «New York Times» war es der Polizist Mark Todd, der die entscheidenden Schüsse auf den Täter abgab. Die Zeitung beruft sich auf einen nicht namentlich genannten Zeugen. Den neuen Angaben zufolge hatte der Militärpsychiater während seines Amoklaufs die zierliche Polizistin zuerst angeschossen. Während er danach das Magazin seiner Pistole wechselte, habe der 42-jährige Mark Todd das Feuer auf Hasan eröffnet und ihn mit vier Schüssen niedergestreckt.

Als Reaktion auf den Zeitungsbericht erklärte der militärische Ermittlungsbeamte Chris Grey, dass zwei Polizisten den Amokläufer gestoppt hätten. Mittlerweile meldete sich Mary Todd, die Mutter des afroamerikanischen Polizisten, zu Wort. «Mein Sohn ist auch ein Held von Fort Hood», sagte sie gemäss der Zeitung «New York Daily News». Sie wolle die Leistung von Kimberley Munley nicht herunter spielen.

Heldengeschichte bewusst lanciert

Die Polizisten Mark Tood und Kimberley Munley hatten diese Woche diverse Auftritte im amerikanischen Fernsehen, zum Beispiel bei der TV-Show von Oprah Winfrey. Sie schilderten zwar ihren Einsatz beim Amoklauf von Fort Hood, sie äusserten sich aber nicht zur Chronologie der Ereignisse. Die Situation sei sehr chaotisch gewesen, sagte die Polizistin, die vom Amokläufer zweimal ins linke Bein und einmal ins rechte Handgelenk angeschossen worden war.

Gemäss Medienberichten lancierte das US-Militär bewusst die Heldengeschichte um Kimberley Munley, um vom Versagen der Armee abzulenken. Der Amokläufer von Ford Hood soll vor dem Blutbad von Terrorspezialisten überprüft und als harmlos eingestuft worden sein. Dabei stand Hasan in E-Mail-Kontakt zu einem radikalen Imam, der auch Kontakt zu zwei Attentätern des 11. Septembers hatte.

Anklageschrift am Krankenbett vorgelesen

Hasan, der durch die Polizeischüsse schwer verletzt wurde, befindet sich weiter im Spital und steht unter dem Einfluss starker Beruhigungsmittel. Er ist am Donnerstag wegen 13-fachen Mordes angeklagt worden. Die Anklageschrift wurde ihm an seinem Krankenbett vorgelesen. Bei einem Schuldspruch vor einem Militärgericht droht Hasan die Todesstrafe. US-Präsident Barack Obama hat eine umfassende Überprüfung aller Erkenntnisse angeordnet, die vor dem Amoklauf von Fort Hood über den Täter bekannt waren. Die Untersuchung soll klären, ob die verfügbaren Hinweise an die zuständigen Behörden weitergegeben wurden. Mit der Leitung wurde Obamas Assistent für Heimatschutz und Terrorabwehr, John Brennan, beauftragt.

(vin)

Erstellt: 13.11.2009, 13:04 Uhr

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