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Der Stress mit den fleissigen Drohnen

Aktualisiert am 11.01.2010

Die unbemannten Flugzeuge überschwemmen die US-Militärs mit einer Flut von Bildern. Die Auswertung wird zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Nun wenden sich die Armee-Analysten an die TV-Stationen.

1/7 Fliegendes Auge
Mit Kameras ausgerüstet soll die Drohne den Gegner ausspionieren.
Bild: Keystone

   

Der Selbstmordanschlag auf die CIA nach Weihnachten hat die kleinen, mit Technik vollbepackten Flugobjekte zur gegnerischen Aufklärung zurück in die Schlagzeilen gebracht. In der Militärbasis Chapman im Osten Afghanistans hat der US-Geheimdienst eine Mission laufen, die auf der Zusammenarbeit von Informanten am Boden und Luftüberwachung durch Drohnen basiert.

Aber nicht nur die CIA, auch das Militär setzt die unbemannten Flugzeuge für ihr Aufklärung ein. Und die Flotte wird laut einem Bericht der «New York Times» immer grösser. So gross, dass die Auswertung des eingefangenen Materials immer schwieriger wird. Und nicht nur die Anzahl Flugzeuge erhöht sich ständig. Auch die Technik wurde in den letzten Jahren immer ausgefeilter. Flogen die Drohnen anfänglich mit einer Kamera, sollen die Flugzeuge der neusten Generation nächstens gleichzeitig Bilder aus 10 Richtungen einfangen und übermitteln können. Im nächsten Jahr soll die Zahl auf 30 steigen und geplant sind bereits 65. Rundumüberwachung also.

24 Jahre Filmmaterial

Aber was tun mit all dem Material? «Wir schwimmen in Sensoren und ertrinken in Bilddaten», sagt Leutnant David A. Deptula, oberster Aufklärer bei der US-Flugwaffe, gegenüber der «New York Times». Und er wird bestätigt von Rohn R. Peele, einem hochrangigen Antiterror-Offizier. Die Drohnen lieferten so viel Material, dass ein sinnvoller Umgang damit schwierig sei. US-Präsident Barack Obama kann ein Lied davon singen. Nach dem vereitelten Terroranschlag auf ein in Detroit landendes Flugzeug, hat er genau darauf seinen Finger gehalten. Zwar wären die nötigen und wichtigen Informationen vorhanden gewesen. Man habe sie aber offenbar nicht entsprechend interpretiert, sodass der Gegner gestoppt hätte werden können.

Laut dem Bericht haben die Fluggeräte in Afghanistan und im Irak allein im letzten Jahr so viele Videosequenzen eingefangen, dass sie zusammengesetzt einen Streifen von 24 Jahren länge ergeben würden. Und es werden immer mehr, die Zahl habe sich innert zweier Jahre verdreifacht.

Der Vergleich mit dem Fussballspieler

Allein auf der US-Luftwaffenbasis Langley an der Ostküste Amerikas, arbeiten 4000 Leute an den Missionen mit Drohnen-Aufklärung. Für eine Drohne sind gleichzeitig drei Personen im Einsatz. Sie überwachen das eingehende Material und leiten die relevanten Informationen weiter. Dabei geht es darum, vom Sprengstoff bepackten Lastwagen bis zu einem mit einer einfachen Waffe ausgerüsteten Gegner zu erkennen. Die Geheimdienste machen Nester aus, in denen sich Führungsmitglieder der Taliban und al-Qaida verstecken. Die Luftüberwachung dient auch der Begleitung eigener Truppen. Selbst Lastwagen die zur Versorgung der US-Stützpunkte im Kampfgebiet unterwegs sind, werden teilweise mit Drohnen begleitet.

Um der Datenflut wieder Herr zu werden, startet man bei den Geheimdiensten und dem US-Militär eine Offensive. Neue Technik und eine neue Art der Auswertung sollen bessere Informationen liefern. Eine halbe Milliarde Dollar will das US-Militär laut dem Bericht der «New York Times» nun investieren. Automatisierung heisst das Zauberwort. Computerprogramme sollen das Material durchforsten. Nicht dass das bis jetzt nicht so gemacht wurde. Technik der neusten Generation soll einfach noch viel besser sein. Und hier bedient man sich offenbar bei den TV-Stationen. Diese hätten zum Beispiel für Sportveranstaltungen ein System entwickelt, wie selbst aus einer Menschenmenge einzelne Individuen herausgefiltert werden können. Bei Eishockey-, Basketball- oder Footballspielen könnten so Spieler indentifiziert und verfolgt werden. Eine Technik, die den sonst so hochgerüsteten Militärs offenbar nicht bekannt war. So will man automatisiert Freund von Feind unterscheiden, und das auch über eine längere Zeitstrecke.

Am Schluss entscheidet der Mensch

Das Ganze hat allerdings seine Grenzen. Oft würden schlechte oder Bilder geliefert. Sei das, weil das Licht fehlt, oder das Material von Infrarotkameras stamme. Und in solchen Fällen seien Menschen bei der Auswertung unerlässlich, sagt ein hochrangiger Offizier, der eine Abteilung für die Überwachung von Drohnenbildern führt. «Wir brauchen Leute, die trainiert und fähig sind, auch auf schlechten Bildern Frauen und Kinder von Männern mit Waffen zu unterscheiden.» Und hier tut das US-Militär gut daran, nicht zu sparen. Zu oft waren bei Angriffen in letzter Zeit Fehler bei der Aufklärung unterlaufen und so Zivilisten statt Gegner getroffen worden. (cpm)

Erstellt: 11.01.2010, 10:59 Uhr

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