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Der Mann in Grün ist zurück

Von Sandro Benini, Mexico City. Aktualisiert am 13.08.2010 6 Kommentare

Greift der offensichtlich genesene Fidel Castro wieder nach der Macht? Es gibt Anzeichen dafür und dagegen. Dass er seinem Bruder wirklich freie Hand lässt, ist unwahrscheinlich.

Das Comeback des Máximo líder: Fidel Castro am vergangenen Samstag bei seinem Auftritt vor der Nationalversammlung in Havanna.

Das Comeback des Máximo líder: Fidel Castro am vergangenen Samstag bei seinem Auftritt vor der Nationalversammlung in Havanna.
Bild: Reuters

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Am vergangenen Samstag fand in Havanna eine Sondersitzung des Parlaments statt. Angesetzt hatte sie Fidel Castro, um sich zum ersten Mal seit seiner schweren Darmerkrankung vor vier Jahren an die Abgeordneten zu wenden. Der historische Anführer der kubanischen Revolution, der heute Freitag seinen 84. Geburtstag feiert, erschien in olivgrünem Hemd. Bedenkt man, dass er vor nicht allzu langer Zeit zwischen Leben und Tod schwebte, wirkte er erstaunlich gesund.

Während seiner 15-minütigen Ansprache warnte Fidel Castro in apokalyptischen Tönen vor einem angeblich drohenden Atomkrieg zwischen den USA und dem Iran, danach beantwortete er Fragen der Parlamentarier. Die jüngsten Entwicklungen auf Kuba – die Freilassung von 52 Dissidenten sowie die von Staatspräsident Raúl Castro angekündigten wirtschaftlichen Reformen – erwähnte er aber mit keinem Wort.

Warum? Warum? Warum?

Was hat die Rückkehr des Máximo líder zu bedeuten?, fragen sich kubanische Bürger und internationale Beobachter. Bereits gehen Vermutungen um, zwischen den beiden Brüdern tobe ein Machtkampf. Einige Abgeordnete haben dies am Samstag explizit verneint, was ein Hinweis darauf ist, dass es zutrifft. Aussagen über die Vorgänge im innersten Machtzirkel des kubanischen Regimes sind stets spekulativ, aber eines steht fest: Raúl ist pragmatischer als sein älterer Bruder und deshalb eher bereit, die Wirtschaft der darbenden Insel zu öffnen. Die Frage ist, ob Fidel angesichts der sich verschärfenden Krise zustimmt oder ob er sich im Namen der reinen sozialistischen Lehre gegen eine Ausweitung der Privatwirtschaft stemmt.

Inmitten dieser Unsicherheit erhält jeder Vorfall eine Bedeutung, die er womöglich gar nicht hat – oder vielleicht eben doch. Warum zum Beispiel hat bei den traditionellen Gedenkfeiern am 26.?Juli der amtierende Staatschef keine Rede gehalten – zum ersten Mal seit dem Triumph der Revolution? Und warum wurde bei der Parlamentssitzung Fidels Stuhl von seinem Bruder weggerückt und neben jenen des Ratspräsidenten gestellt, kurz bevor der Genesene den Saal betrat?

Während seiner fast 50-jährigen Amtszeit hat Fidel Castro Wirkung und Zeitpunkt öffentlicher Auftritte stets genau kalkuliert. Oft verschwand er monatelang von der Bildfläche, um danach die unter kubanischen Exilierten aufkeimende Hoffnung, er sei krank oder tot, mit höhnischer Freude zu zerstören.

Öffentlichkeitsmarathon

Doch schon vor der jüngsten Rede ist Fidel mehrmals aufgetreten. Als sein Bruder am 7. Juli mit dem spanischen Aussenminister Miguel Ángel Moratinos und Kardinal Jaime Ortega über die Freilassung von 52 Dissidenten verhandelte, besuchte er ein Zentrum für wissenschaftliche Forschung. Schon dass er just diesen Moment wählte, um sich nach vierjähriger Abwesenheit öffentlich zu zeigen, führte zu widersprüchlichen Spekulationen. Für die einen signalisierte er damit sein Einverständnis mit der Amnestie, für die anderen wollte er Raúl warnen, es mit den Zugeständnissen nicht zu weit zu treiben.

Später besuchte er ein Delfinarium, nahm im Fernsehen an einer Diskussionsrunde teil, traf sich mit Journalisten, Jungkommunisten, Diplomaten und Intellektuellen. Selbst dass er bei einem dieser Auftritte in Uniform erschien und während der Parlamentsrede ein grünes Hemd trug, wird unterschiedlich interpretiert – die Farbe als drohende Anspielung auf alte Kampfzeiten, das Fehlen militärischer Abzeichen als Anerkennung brüderlicher Befehlsgewalt.

Jedenfalls lässt Fidel Castros Öffentlichkeitsmarathon darauf schliessen, dass er sich nicht bloss vorübergehend zurückgemeldet hat, sondern dauerhaft. Indem er vor den Abgeordneten ausschliesslich zu einem internationalen Thema sprach, schürte er zugleich die Erwartung, sich in Zukunft um die Probleme der grossen weiten Welt kümmern und jene des kleinen Kuba seinem Bruder überlassen zu wollen.

«Uff! Fidel wird nicht zurückkehren», schreibt Kubas bekannteste oppositionelle Bloggerin Yoani Sánchez. Ihrer Ansicht nach hat die Krankheit sein Charisma zerstört und ihn zu einem zittrigen Greis gemacht, der «lediglich wieder auf der Bühne steht, um schamlos seine Gebrechen vorzuführen und das Ende der Welt zu verkünden, als ob er uns überzeugen wollte, dass das Leben nach ihm keinen Sinn mehr hat». Ganz anderer Meinung ist der Kuba-Experte und ehemalige CIA-Analyst Brian Latell: «Die Parlamentsrede war ein wichtiger Auftritt, der Raúls Legitimität als Präsident schwächen wird», meint er.

Die Nähe zum Tod

Wer hat nun recht? Fidel Castros politische Biografie ruht auf zwei Pfeilern: dem unbedingten Willen, allein auf dem Gipfel der Macht zu stehen. Und der Überzeugung, nur er könne Kuba vor Kapitalismus, Imperialismus und allen anderen Übeln der Welt bewahren. Darum sei hier eine Hypothese gewagt: Wenn sich Fidel derzeit auf die Aussenpolitik beschränkt, so tut er dies, damit sein Bruder das Gesicht wahren kann. Dass er aber längerfristig einem Reformkurs zustimmt, der ihm nicht passt, ist so gut wie ausgeschlossen. Es sei denn, die Nähe zum Tod habe eine Revolution in seinem Charakter bewirkt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.08.2010, 22:01 Uhr

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6 Kommentare

Hans Saurenmann

13.08.2010, 11:29 Uhr
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Fidel sieht gut und gesund aus, offensichtlich hat er sich von seiner Krankheit gut erholt und verfolgt wahrscheinlich einen Mittelkurs wie ihn die Chinesen mit Erfolg eingeschlagen haben. Cuba ist die zentrale Figur im Rahmen von Nord-und Suedmareika und bestimmend in der Caribik. Die Aufhebung des Embargos ist ein muss, und im Saebelrassel das zur Zeit mit Iran stattfindet zwingend.Gut so pronto Antworten


Thomas Diethelm

13.08.2010, 11:21 Uhr
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Alles Gute Fidel Castro!! Bei all den Dingen die in Kuba nicht so gut laufen darf man nicht vergessen, dass die Nachabrstaaten unter dem Einfluss des ach so genialen Kapitalismus mit Hunger und Elend kämpfen. Von Bildung ganz zu schweigen. In Kuba gibt zwar für die einfache Bevölkerung auch kein Luxus, aber es verhungert niemand und jeder hat das Recht auf Bildung. Antworten



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