Der Gefängnis-Wahnsinn in Kalifornien
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 25.05.2009 10 Kommentare
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Kalifornien ist mit bald 40 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat. Der «Golden State» ist ungefähr so gross wie Frankreich und würde als selbständiges Land zu den zehn grössten Volkswirtschaften der Welt gehören. Kalifornien hat auch 33 Gefängnisse mit gegen 170'000 Einsassen. Mehr noch. Das geltende Strafrecht hat dazu geführt, dass rund 750'000 Menschen in Kalifornien entweder im Knast sitzen oder auf Bewährung draussen betreut werden. Dass hat dazu geführt, dass Kalifornien nicht nur in der IT Weltmarktführer ist (Silicon Valley), sondern auch in der Gefängnis-Industrie.
Dreimal Diebstahl – lebenslänglich
Das aber kommt den Steuerzahler teuer zu stehen. Menschen hinter Gitter zu sperren kostet sehr viel. Es schafft auch viele Arbeitsplätze, sehr gut bezahlte sogar. Ein Wärter kann mit Überstunden gegen 100'000 Dollar pro Jahr verdienen. Es findet deshalb ein eigentlicher Run auf diesen Beruf statt. «Jedes Jahr bewerben sich so viele Leute für einen Job in Kaliforniens Gefängnisindustrie, dass man dreimal das Dodgers Stadium (eine riesige Sportarena) füllen könnte. Es ist die öffentliche Ausgabe, die am schnellsten wächst», schreibt die «New York Times».
Die Wirtschaftskrise trifft auch Kalifornien hart. Die Arbeitslosenquote liegt bei elf Prozent, die Kassen der öffentlichen Hand sind leer. Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat deshalb den Kaliforniern einen Sanierungsplan zur Abstimmung vorgelegt. Der Staat kennt, ähnlich wie die Schweiz, eine Art direkte Demokratie mit Referendum und Initiative. Unter anderem hat Schwarzenegger vorgeschlagen, rund 30'000 Gefangene vorzeitig zu entlassen, um so die Staatskassen zu schonen. Kalifornien kennt auch das sogenannten «Three-Strikes»-Gesetz. Wer dreimal wegen einer Straftat verurteilt wird, wird lebenslänglich eingesperrt, selbst wenn er harmlose Diebstähle begangen hat.
Wärter machen Angst und gewinnen
Schwarzenegger hat die Abstimmung verloren. Gescheitert ist er unter anderem am Widerstand der Gewerkschaft der Gefängniswärter. Sie hat einen populistischen Abstimmungskampf mit sehr viel Angstmache vor gefährlichen Kriminellen geführt – und gewonnen. Man kann darin eine Art poetische Gerechtigkeit sehen, schliesslich ist ausgerechnet «Terminator» Schwarzenegger daran gescheitert, dass die Gewerkschaft der Gefängniswärter eine Sanierung der Staatsfinanzen verhindert. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.05.2009, 15:52 Uhr
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10 Kommentare
Unser ehemaliger Justizminister hatte sich ja auch in den USA umgesehen und seine Partei gewinnt Wähler mit Angstmache und "Null-Toleranz" (gegenüber den andern). Ich habe mit den Amerikanern etwas Mitleid, die einen steckt man in den Knast, die andern in Kriege. Und dann wird noch ein grosser Unterschied zwischen weiss und andern gemacht. Antworten
....100'000 Dollar pro Jahr verdienen. Es findet deshalb ein eigentlicher Run auf diesen Beruf statt. Ja wahrlich eine Nation von Gefängniswärtern! Und warum laufen Cheney und Bush immer noch frei rum? Aber es ist einfacher einfache Schwarze und Latinos einzusperren als mal das marode System zu ändern. Am Ende gehen die USA daran kaputt und nicht an einer Finanzkrise. Schweizer lernt daraus! Antworten
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