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Der Gefängnis-Wahnsinn in Kalifornien

Der «Golden State» ist bankrott.Zu viele Insassen sitzen ind den Gefängnissen, der Staat kann sie aber nicht in Freiheit entlassen, weil die hochbezahlten Wärter zu mächtig sind.

Prekäre Platzverhältnis: Gefängnis in Kalifornien.

Prekäre Platzverhältnis: Gefängnis in Kalifornien.
Bild: Keystone

Kalifornien ist mit bald 40 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat. Der «Golden State» ist ungefähr so gross wie Frankreich und würde als selbständiges Land zu den zehn grössten Volkswirtschaften der Welt gehören. Kalifornien hat auch 33 Gefängnisse mit gegen 170'000 Einsassen. Mehr noch. Das geltende Strafrecht hat dazu geführt, dass rund 750'000 Menschen in Kalifornien entweder im Knast sitzen oder auf Bewährung draussen betreut werden. Dass hat dazu geführt, dass Kalifornien nicht nur in der IT Weltmarktführer ist (Silicon Valley), sondern auch in der Gefängnis-Industrie.

Dreimal Diebstahl – lebenslänglich

Das aber kommt den Steuerzahler teuer zu stehen. Menschen hinter Gitter zu sperren kostet sehr viel. Es schafft auch viele Arbeitsplätze, sehr gut bezahlte sogar. Ein Wärter kann mit Überstunden gegen 100'000 Dollar pro Jahr verdienen. Es findet deshalb ein eigentlicher Run auf diesen Beruf statt. «Jedes Jahr bewerben sich so viele Leute für einen Job in Kaliforniens Gefängnisindustrie, dass man dreimal das Dodgers Stadium (eine riesige Sportarena) füllen könnte. Es ist die öffentliche Ausgabe, die am schnellsten wächst», schreibt die «New York Times».

Die Wirtschaftskrise trifft auch Kalifornien hart. Die Arbeitslosenquote liegt bei elf Prozent, die Kassen der öffentlichen Hand sind leer. Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat deshalb den Kaliforniern einen Sanierungsplan zur Abstimmung vorgelegt. Der Staat kennt, ähnlich wie die Schweiz, eine Art direkte Demokratie mit Referendum und Initiative. Unter anderem hat Schwarzenegger vorgeschlagen, rund 30'000 Gefangene vorzeitig zu entlassen, um so die Staatskassen zu schonen. Kalifornien kennt auch das sogenannten «Three-Strikes»-Gesetz. Wer dreimal wegen einer Straftat verurteilt wird, wird lebenslänglich eingesperrt, selbst wenn er harmlose Diebstähle begangen hat.

Wärter machen Angst und gewinnen

Schwarzenegger hat die Abstimmung verloren. Gescheitert ist er unter anderem am Widerstand der Gewerkschaft der Gefängniswärter. Sie hat einen populistischen Abstimmungskampf mit sehr viel Angstmache vor gefährlichen Kriminellen geführt – und gewonnen. Man kann darin eine Art poetische Gerechtigkeit sehen, schliesslich ist ausgerechnet «Terminator» Schwarzenegger daran gescheitert, dass die Gewerkschaft der Gefängniswärter eine Sanierung der Staatsfinanzen verhindert. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.05.2009, 15:52 Uhr

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10 Kommentare

Udo Herrmann

26.05.2009, 00:06 Uhr
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Ist doch bei uns auch nicht anders, Justitz und Polizei brauchen doch die "Kriminellen" sonst könnte manch eine rmerken das viele von ihnen Überflüssig sind. 4 mal Schwarzfahren mit öffentlichen verkehrsmittel = 30 Tagessätze a 25 EURO in Deutschland 750 EURO also Hartz 4 Empfänger bekommen im MONAT 351 EURO. Vollzugskosten 3200 Euro für den Staat. Wir arbeiten also daran amerika einzuhollen. Antworten


maurus candrian

25.05.2009, 22:33 Uhr
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3 mal ladendiebstahl begehen, und dafür lebenslänglich sitzen. ein weiteres beispiel für die völlige dekadenz der selbsternannten globalen führungsmacht. die usa sind marod bis auf die knochen. leute, merkt es doch endlich. die usa sind ein einziges negativbeispiel. die alleinige wenigstens einigermassen positive weltregion ist zur zeit europa, welches endlich mehr verantwortung übernehmen sollte Antworten


Rolf Schumacher

25.05.2009, 18:01 Uhr
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Wer in den USA kein Geld hat, hat keine Ausbildung und kein soziales Netz. Jugendliche vegetieren perspektivenlos vor sich ihn. Tägliche Frustration und ein aggressives Umfeld lässt sie straffällig werden. Der restriktive US- Kurs hat die Gefängnisse zum Ueberfüllen gebracht, nicht aber Lösungen. Die SVP (Maurer) macht es wie die USA. Keine Lösungen bieten, aber die Jugend hart strafen wollen. Antworten


Ronnie König

25.05.2009, 18:00 Uhr
Melden 1 Empfehlung

....100'000 Dollar pro Jahr verdienen. Es findet deshalb ein eigentlicher Run auf diesen Beruf statt. Ja wahrlich eine Nation von Gefängniswärtern! Und warum laufen Cheney und Bush immer noch frei rum? Aber es ist einfacher einfache Schwarze und Latinos einzusperren als mal das marode System zu ändern. Am Ende gehen die USA daran kaputt und nicht an einer Finanzkrise. Schweizer lernt daraus! Antworten


Ernst Pauli

25.05.2009, 17:57 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Unser ehemaliger Justizminister hatte sich ja auch in den USA umgesehen und seine Partei gewinnt Wähler mit Angstmache und "Null-Toleranz" (gegenüber den andern). Ich habe mit den Amerikanern etwas Mitleid, die einen steckt man in den Knast, die andern in Kriege. Und dann wird noch ein grosser Unterschied zwischen weiss und andern gemacht. Antworten


Hugo Reichmuth

25.05.2009, 17:42 Uhr
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@ Hans Indermaur: In den USA sind "nur" 1 Prozent der Bevölkerung im Gefängnis, also ca. 3 Mio. Ist aber immer noch zuviel, wenn man bedenkt, dass viele wegen Marihuana-Konsums in der Kiste stecken... Antworten


Hans Indermaur

25.05.2009, 16:06 Uhr
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Es ist fast unglaublich dass in den USA fast zehn Prozent der Bevölkerung im Knast sitzen und obwohl die Bedingungen natürlich mit unseren Gefängnissen in keiner Art zu vergleichen sind, kostet das natürlich eine Menge Geld welches der Staat sicher nicht mehr hat, zudem ist anzunehmen dass auf Grund der Wirtschaftskrise die Tendenz eher steigend ist. Antworten


Sam Lenakov

25.05.2009, 15:06 Uhr
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Ich kenne eine Schweizer Partei, die will auch mehr Leute ins Gefängnis stecken. Diesselbe Partei klagt ständig, die Staatsquote sei zu hoch. Antworten


Edi Kuster

25.05.2009, 14:57 Uhr
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Genau das wollen in der Schweiz auch gewisse Kreise. Trotz sinkender oder gleichbleibender Kriminalität versucht man immer mehr die Strafen zu erhöhen. Eine absolute "Null-Tolerenz"-Startegie "schafft" aber immer mehr Kriminelle und Kosten. Augenmass und Vernunft (damit ist nicht "Kuscheltherapie" gemeint) statt nur schwarz/weiss Polemik würde uns alle weiter bringen. Antworten


Beat Keller

25.05.2009, 14:43 Uhr
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Dieses unsinnige "three-strikes"-Gesetz sollte tatsächlich abgeschafft werden. Das Problem der heutigen Gesellschaft ist aber, dass z.T. Verbrechen nicht mehr als das wahrgenommen werden, was sie sind. In der Schweiz hat man das Problem elegant umschifft. Einfach statt Gefängnis bedingte Geldstrafen aussprechen. Welche Strafe ist eigentlich mit einer bedingten Geldstrafe verbunden? Antworten



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