Brasiliens Präsidentschaftskandidat stirbt bei Flugzeugunglück

Er senkte die Mordrate und kurbelte die Wirtschaft an: Der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene brasilianische Präsidentschaftskandidat Eduardo Campos war erfolgreich und beliebt.

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Ein Flugzeug mit dem brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Eduardo Campos an Bord ist aus noch ungeklärten Gründen abgestürzt. Das Unglück ereignete sich in der Küstenstadt Santos, rund 60 Kilometer von São Paulo entfernt. Die Cessna, die am Morgen in Rio de Janeiro gestartet war, stürzte in ein Wohngebiet. Der fünffache Familienvater Campos hatte am vergangenen Sonntag seinen 49. Geburtstag gefeiert. Im Flugzeug sassen neben dem Politiker vier Mitarbeiter und zwei Piloten – alle starben bei dem Absturz. Ausserdem wurden sieben Anwohner verletzt.

Laut Umfragen unterstützten knapp 10 Prozent der Stimmbürger Campos' Präsidentschaftskandidatur. Sein grösster Nachteil war die mangelnde Bekanntheit auf nationaler Ebene. Er versuchte, das Handicap zu überwinden, indem er sich mit der populären ehemaligen Umweltministerin Marina Silva verbündete, welche die amtierende und wiederkandidierende Präsidentin Dilma Rousseff vor vier Jahren dank eines glänzenden Wahlkampfes in Bedrängnis brachte.

Marina Silva nahm kurzfristig einen anderen Flug

Brasilianischen Medien zufolge hätte auch Silva in der verunglückten Privatmaschine sitzen sollen. Die Politikerin entschied sich jedoch kurzfristig für einen Linienflug. Sie war gerade dabei, einen Werbespot aufzunehmen, als sie vom Unglück erfuhr. Einige Stunden später trat sie sichtlich gezeichnet vor die Presse. «Es ist eine Tragödie. Campos hat bis zu den letzten Sekunden seines Lebens für ein gerechteres Brasilien gekämpft», sagte sie.

Sollte Marina Silva, die bisher für das Amt der Vizepräsidentin unter Campos kandidiert hatte, an die Stelle des Verunglückten treten, könnte dies die Ausgangslage im Hinblick auf den Urnengang vom 5. Oktober grundlegend verändern. Denn Silva ist nicht nur bekannter, sondern landesweit auch deutlich populärer, als es Campos gewesen war. Die sozialistische Partei hat zehn Tage Zeit, um sich für sie oder für einen anderen Kandidaten zu entscheiden. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass Silva ins Rennen steigen wird.

Der Spross einer mächtigen Familie

Eduardo Campos gehörte einer mächtigen, im nordöstlichen Bundesstaat Pernambuco verwurzelten Familie an. Sein Grossvater Miguel Arraes war mehrmals Gouverneur von Pernambuco, nach seiner zweiten Wahl im Jahre 1987 amtierte sein Enkel als Kabinettschef. Der Vater des Verunglückten war Schriftsteller und Journalist, seine Mutter ist ehemalige Abgeordnete im nationalen Parlament und arbeitet heute in einer wichtigen Funktion an einem Gericht. Campos' Onkel schliesslich ist ein einflussreicher Fernsehdirektor und Regisseur.

1990 errang Eduardo Campos für die sozialistische Partei Brasiliens einen Sitz im bundesstaatlichen und später auch im nationalen Abgeordnetenhaus. Zwischen Januar 2004 und Juli 2005 war er Wissenschafts- und Technologieminister in der Regierung des damaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, 2005 übernahm er überdies den Vorsitz der sozialistischen Partei. 2006 wählte ihn die Bevölkerung Pernambucos mit einer Mehrheit von gut 60 Prozent zu ihrem Gouverneur, um ihn vier Jahre später mit einem Stimmenanteil von 83 Prozent glänzend zu bestätigen.

Die Popularität, die er sich in diesem Amt erwarb, bildete die Basis für Campos' Präsidentschaftskandidatur. Er investierte in den öffentlichen Verkehr, die Bildung und in Sozialprogramme und war bekannt für seine transparente, im Internet dokumentierte Haushaltspolitik. Unter seiner Regierung erzielte Pernambuco ein Wirtschaftswachstum, das phasenweise deutlich über dem nationalen Durchschnitt lag. Ein von Campos verabschiedetes Programm zur Bekämpfung der Kriminalität trug dazu bei, die Mordrate um nahezu 40 Prozent zu senken.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 13.08.2014, 18:05 Uhr)

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