BP soll seit Jahren Sicherheit bewusst vernachlässigt haben

Aktualisiert am 09.06.2010

Der Ölkonzern habe quer durch Nordamerika systematisch Hinweise auf Risiken ignoriert, um Geld zu sparen. Das schreiben zwei investigative Journalisten, die nach eigenen Angaben über Beweismaterial verfügen.

1/14 Die Folgen der Ölkatastrophe
Öl wird am Orange Beach in Alabama angespült.
AFP

   

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Was die Journalisten Abrahm Lustgarten und Ryan Knutson in der Nacht auf heute auf der Webseite der «Washington Post» publizierten, dürfte für heftige Diskussionen sorgen. Lustgarten und Knutson äussern in ihrem Artikel nichts weniger als den Vorwurf, BP (BPAM 5.073 -0.47%) habe jahrelang quer durch Nordamerika systematisch seine Sorgfaltspflichten vernachlässigt – angesichts drohender Rechtsklagen nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko eine brisante Aussage.

«Eine ganze Reihe interner Untersuchungen» aus den Jahren 2001 bis 2007 habe die Spitzenmanager des Konzerns in den letzten zehn Jahren gewarnt. Sie stellten laut den Journalisten fest, dass BP «wiederholt Sicherheitsrichtlinien ignoriert hat und einen ernsten Unfall riskiert, falls es sein Verhalten nicht ändert».

Es ist das erste Mal seit der Ölkatastrophe vor der Südküste der USA, dass Journalisten diesen umfassenden Vorwurf äussern. Bislang waren lediglich Hinweise an die Öffentlichkeit gelangt, dass BP im konkreten Fall der Deep Water Horizon von Problemen bei den Sicherheitsklappen gewusst haben könnte.

«Quer durch Nordamerika»

Lustgarten und Knutson haben die entsprechenden Untersuchungsberichte nach eigenen Angaben von besorgten BP-Angestellten zugespielt bekommen. Darin seien eine ganze Reihe von Vergehen bei BP Alaska aufgelistet: Alarmanlagen für austretendes Gas sowie Feuermelder hätten gefehlt; Mitarbeiter seien davor gewarnt worden, Sicherheitsbedenken zu melden und veraltete Ausrüstungen seien aus Kostengründen viel zu lange eingesetzt worden.

Aussagen früherer Angestellter in Interviews, vor Gericht oder im Rahmen «kaum beachteter öffentlicher Untersuchungen» zeigten ähnliche Vorgänge an anderen Orten wie Kalifornien oder Texas. «Insgesamt zeichnen diese Dokumente das Bild eines Unternehmens, dass quer durch Nordamerika systematisch seine eigenen Sicherheitsrichtlinien ignoriert hat», so das Fazit der Journalisten.

Verschiedene Vorfälle

Tatsächlich hatte BP in den vergangenen Jahren mit mehreren Unfällen unterschiedlicher Grösse zu kämpfen. So explodierte 2005 in Texas eine Plattform, 15 Arbeiter kamen dabei ums Leben. Nachträgliche Untersuchungen zeigten, dass ein Warnsystem versagt hatte. 2006 sickerten in Alaska 200'000 Gallonen Öl ins Meer – aus einer verrosteten Leitung. 2009 folgte ebenfalls in Alaska eine Reihe kleinerer Vorfälle.

Bereits vor dem Unfall im Golf von Mexiko habe das amerikanische Umweltdepartement darum eine Prüfung eingeleitet, ob BP die Bewilligung für neue Bohrungen verweigert werden soll, schreiben die beiden Journalisten mit Verweis auf Quellen im Departement. Sie laufe nach wie vor.

Ein BP-Sprecher sagte gegenüber den beiden Journalisten, der Konzern habe seit den Erkenntnissen der internen Untersuchungen aus Alaska seine Sicherheitssysteme weltweit überarbeitet. Der neue Konzernchef Tony Hayward habe das zu einer seiner Prioritäten erklärt. Weiter seien die Vorwürfe, man habe Mitarbeiter eingeschüchtert, «haltlos». (oku)

Erstellt: 08.06.2010, 11:03 Uhr

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