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Analyse des Sprengstoffs zeigt: Passagiere hatten viel Glück

Aktualisiert am 27.12.2009

Der Name des verhinderten Flugzeugattentäters war den US-Geheimdiensten bekannt. Zu seiner Anhörung erschien Abdulmutallab lächelnd und im Rollstuhl. Und: Sein Sprengstoff ist analysiert worden.

1/17 Will sich selber verteidigen: Polizeifoto von Umar Farouk Abdulmutallab.
Bild: Reuters

   

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Bei dem gescheiterten Terroranschlag auf den Flug von Amsterdam nach Detroit wurde nach Angaben der Justizbehörden der Sprengstoff Nitropenta (PETN) verwendet. Dieses auch militärisch genutzte Mittel ist schon bei geringer Menge besonders explosiv. Es wurde auch von dem sogenannten Schuhbomber Richard Reid verwendet, der 2001 versucht hatte, einen Anschlag auf einen Transatlantikflug zu verüben.

Beim Landeanflug auf Detroit kam es in der Maschine der US-Gesellschaft Northwest Airlines nicht zur Explosion, sondern nur zu einem kleineren Brand. Der mutmassliche Täter, der Nigerianer Umar Farouk Abdulmuttalab, wurde am Samstagabend des geplanten Anschlags auf ein Flugzeugs angeklagt. Bezirksrichter Paul Borman las dem 23-Jährigen in der Universitätsklinik von Ann Arbor, Michigan, die Anklage vor. Abdulmuttalab wird dort wegen Brandwunden behandelt.

«Ja, das tue ich»

Laut Anklageschrift hatte der 23-Jährige ausgesagt, er wollte den vermutlich in seine Unterwäsche eingenähten Sprengstoff mit Hilfe einer in einer Spritze mitgebrachten Chemikalie zur Explosion bringen. Dabei setzte er seine Kleidung und die Flugzeugwand in Brand, dann wurde er von Passagieren und Besatzung überwältigt.

Abdulmuttalab lächelte, als er im Medical Center der University of Michigan in den Konferenzraum geschoben wurde, wo Richter Borman ihm die Anklage verlas. Er trug einen grünen Klinikkittel und blaue Strümpfe. Sein linker Daumen und sein rechtes Handgelenk waren verbunden. Auf die Frage, ob er die Anklage verstanden habe, antwortete Abdulmuttalab auf Englisch: «Ja, das tue ich.»

Geheimdienste gewarnt

Der Angeklagte hatte ein gültiges Einreisevisum für die USA, obwohl er in einer Datenbank möglicher Terrorverdächtiger geführt wurde. Diese Datenbank mit der Bezeichnung Terrorist Identities Datamart Environment wurde vom US-Zentrum für Terrorabwehr (National Counterterrorism Center) geführt. Abdulmuttalab lebte zuletzt in einem gehobenen Stadtteil von London. Er erklärte nach Angaben eines US-Justizbeamten, er sei im Jemen von Al-Kaida-Angehörigen ausgebildet und instruiert worden.

Der Name des verhinderten Flugzeugattentäters von Detroit tauchte vor etwa vier Wochen wegen möglicher Verbindungen zu al-Qaida und zum Jemen in US-Geheimdienstberichten auf.

Dies verlautete am Samstag aus Kongresskreisen in Washington. Ein weiterer Regierungsbeamter erklärte der Nachrichtenagentur AP, der Geheimdienst sei im November auf den mutmasslichen Täter aufmerksam geworden.

Visum bis Juni 2010

Damals sei dessen Vater in die US-Botschaft in Abuja gekommen und habe sich besorgt über seinen Sohn geäussert. Nähere Informationen habe der Vater aber nicht gehabt. Deshalb sei Umar Faruk Abdulmutallab nicht auf eine Liste gesetzt worden, die ihm Flüge in die USA verboten oder ihn besonderen Sicherheitskontrollen unterworfen hätten.

Die Informationen hätten auch nicht ausgereicht, dem 23-Jährigen das ihm im Juni 2008 erteilte Besuchervisum für die USA wieder zu entziehen. Es galt bis Juni 2010.

Kongress schaltet sich ein

Der US-Kongress plant noch im Januar Anhörungen zu dem Vorfall. Dabei solle es vor allem um die Fragen gehen, wie es Abdulmutallab gelingen konnte, Sprengstoff an Bord der Maschine zu schmuggeln und warum er ein US-Visum erhielt, teilten mehrere Senatoren und Abgeordnete mit.

Nacktscanner gefordert

Der frühere Leiter der Sicherheitsabteilung von Northwest Airlines, Douglas R. Laird, forderte, die Metalldetektoren an Flughäfen durch die umstrittenen Nacktscanner zu ersetzen, die Passagiere bis auf die Haut durchleuchten können.

Held der Stunde

Der Zwischenfall hat aber auch einen neuen Helden hervorgebracht: Den niederländischen Video-Produzenten Jasper Schuringa.

Im Fernsehen schilderte er, wie er auf den mutmasslichen Attentäter sprang, ihn niederrang und das Feuer löschte, bevor er ihn gemeinsam mit der Crew fesselte und von den anderen Passagieren isolierte. Im Internet erreichte Schuringa schon nach kurzer Zeit Kultstatus. (sam/sda/ap)

Erstellt: 27.12.2009, 09:46 Uhr

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