Amerikas Konsumtempel stehen vor dem Ruin
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 24.05.2009 15 Kommentare
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Das langsame Sterben der Einkaufszentren ist eines der auffälligsten Zeichen für die Konsumkrise der USA. In einem Land, dessen Wirtschaft zu zwei Dritteln von den Ausgaben der privaten Haushalte abhängt, sind Dutzende Shopping Malls zu Bauruinen verkommen. Umnutzungen und Renovationen sind die Ausnahme, die meisten der gefährdeten Malls dürften nach Ansicht von Siedlungsexperten keine Überlebenschance haben.
Letzten Monat musste die Nummer zwei der Betriebsgesellschaften von Einkaufszentren, General Growth Properties, den Bankrott erklären. Eine Schuldenlast von 25 Milliarden Dollar und die fehlenden Aussicht auf eine Wirtschaftserholung und Rückkehr der Konsumlaune, machten den Schritt unausweichlich. Der Immobilienkonzern geht auf die Gründerzeit der Malls vor 50 Jahren zurück und betreibt rund 200 der 1500 Zentren des Landes.
Wal-Mart geht mit Erfolg eigenen Weg
Die Aussichten, Käufer zu finden, sind trüb, wie Michael Glimcher, Geschäftsführer des Glimcher Realty Trust und Besitzer von 20 Malls, dem «Wallstreet Journal» erklärte. Jedes Einkaufszentrum, das finanziell angeschlagen sei, so Glimcher, «wird wahrscheinlich keine weitere Geldspritze bekommen».
Seit Mitte der 90er-Jahre, als die ersten Einkaufszentren dichtmachen mussten, sind gegen 400 dieser oft monströsen, parkplatzgesäumten Anlagen verschwunden. Seit Ausbruch der Rezession hat sich der Trend beschleunigt. Ende letzten Jahres standen 7,1 Prozent der Geschäfte in den Malls leer, im Vergleich zu 5,8 Prozent ein Jahr zuvor. Verschärft wird das Problem durch populäre Detailhandelsketten wie Wal-Mart und Target. Sie haben herausgefunden, dass sie mit freistehenden, nicht in einem Zentrum integrierten Geschäften mehr Umsatz erzielen. Wal-Mart meldete als eine der wenigen in der Branche leicht anziehende Umsätze. Andere klingende Namen wie J. C. Penney, Macy's und Sears erwägen, sich aus Dutzenden von Malls zurückzuziehen. Ohne diese Magnete sinkt aber die Attraktivität.
Am ehesten gefährdet sind die Zentren weit ausserhalb der Stadt, die lange Anfahrten erfordern. Solche Malls waren oft die letzte Attraktion weit und breit, der einzige Treffpunkt für die Bewohner der zersiedelten Suburbs und Exurbs. Das billige Vergnügen ist heute für viele kaum mehr erschwinglich. Haushalte mit einem Einkommen von unter 52'000 Dollar müssen mehr als ein Drittel ihrer Mittel für Benzin, Autoversicherung, Abzahlungs- und Reparaturaufwand einsetzen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Benzin- und Zinskosten steigen trotz der Rezession und drücken auf die Konsumlaune.
Das Ende des Einkaufswunderlandes
Sollte die Nachfrage nicht rasch wieder zunehmen, müssen bis Ende Jahr rund 100 Zentren schliessen, 60 mehr als 2006. «Wegen der dramatischen Änderungen im Konsumverhalten werden mehr Malls in die Todesspirale geraten, als wir je erlebt haben», sagt ein Analyst der Marktforschungsfirma Green Street. Im schlimmsten Fall sei jede vierte Mall bedroht.
Mit einer solchen Korrektur allerdings würden lediglich die Exzesse der letzten Jahre verschwinden. Kein Land weist mehr Verkaufsfläche auf als die USA. Pro Kopf der Bevölkerung sind es mehr als doppelt so viel wie in Europa. Und seit 1995 ist diese Fläche siebenmal schneller gewachsen als die Konsumausgaben. Ermöglicht wurde die Expansion durch die gleichen Kräfte der US-Notenbank, die auch den privaten Hausbesitz aggressiv ankurbelten, so den Markt überhitzen und schliesslich zerstörten. Der Kollaps der Geschäftsliegenschaften, darin sind sich Experten einig, ist der nächste Schlag, der die Banken treffen wird.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.05.2009, 22:52 Uhr
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15 Kommentare
Anpassungen von übermässigen Kapazitäten gehören zu jeder Rezession dazu. Es ist einfach himmeltraurig, dass jetzt in so vielen Bereichen gleichzeitig so einschneidende Anpassungen passieren. Die USA enttäuschen mich wirklich. Die hätten doch genug intelligente Leute und Ressourcen gehabt, um solchen Exzessen wenigstens teilweise vorzubeugen. Wir erleben eine exzessive Anpassung der Exzesse. Antworten
Das ist kein neues Phänomen, dass die amerikanischen Konsumtempel vor dem Ruin stehen. Schon seit gut einem Jahrzehnt wurde weit am Bedarf vorbei gebaut. Die Zahl der Outlets und Malls, bei denen mehr als die Hälfte der Flächen leer standen und die ob der Publikumsleere ein geisterhaftes Gefühl ausstrahlten, war schon damals gewaltig. Und das selbst in der Peripherie von Grossstädten. Antworten
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