Grosse Kleinkunst ohne Gerede
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Premiere
Freitag, 8.Juni, 20 Uhr, La Cappella, Bern. Weitere Vorstellungen bis 15.Juni.
Sprechen heisst bei Ohne Rolf blättern: Die Schauspieler Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg unterhalten sich auf der Bühne nicht mit gesprochenen Worten, sondern mit bedruckten Plakaten, die sie fortlaufend umblättern. Die knappen Dialoge und das Geschehen zwischen den Zeilen werden zu einem cleveren Programm mit Wortwitz, Spannung und Poesie verwoben.
Das Innerschweizer Duo zeigt nach «Blattrand» und «Schreibhals» auch sein drittes abendfüllendes Stück «Unferti» in der Cappella. Die Auftritte in Bern sind Teil seiner Tournee durch die Schweiz und Deutschland, wo das mehrfach ausgezeichnete Zweimannensemble mit allen drei Stücken gleichzeitig unterwegs ist. Im neuen Programm ist Ohne Rolf druckreif für ruhigen Urlaub. Die beiden «Blattländer» stellen ihr plakatives Dasein infrage und warten darauf, dass sich das Blatt wendet.
Anderhub und Wolfisberg arbeiten seit 1999 an ihrer theatralen Plakatkunst und entwickelten die Kommunikationsform konsequent weiter: «Wir sind komplexer geworden und arbeiten auf mehreren zeitlichen Ebenen», sagt Wolfisberg. Es ist erstaunlich, wie viele Ausdrucksformen die Plakate und die reduzierte Mimik bieten und wie viele unterschiedliche Stimmungen transportiert werden können. Laut Wolfisberg klappt das System so gut, «weil das Publikum die Intonation des Sprechens selber macht. So stellt sich jeder die für ihn perfekte Stimmlage und Lautstärke vor.»
Auftritt bei Giacobbo
Von Raffinesse und Zauber des Konzepts konnte man sich im Vorfeld der Uraufführung von «Unferti» bei einem Auftritt in der TV-Show «Giacobbo/Müller» überzeugen. Anderhub und Wolfisberg unterhielten sich mit ihren Plakaten über die bevorstehende Premiere, die sie «buchstäblich durcheinanderbringt». Kurzerhand verliessen die beiden die Bühne, um angeblich weiterzuproben, und überliessen die Plakate zum Vergnügen des Publikums den Moderatoren. Mike Müller bekam jene mit fetter Schrift – und ein Blatt von Victor Giacobbo hatte Eselsohren.
In der Cappella wird Ohne Rolf aber nicht von der Bühne weichen. Und Wolfisberg verspricht, dass auch Lesemuffel auf ihre Kosten kommen: «Wir sind wie Comicfiguren, die ihre Sprechblase selber halten.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 07.06.2012, 09:35 Uhr
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