Rapper gegen faule Berner
Sieben Tage Spiel und Spass
Heute beginnt die sechste nationale Sportwoche «schweiz. bewegt». Damit soll landesweit zu mehr Bewegung animiert werden. Über 200 Städte und Gemeinden wollen während sieben Tagen möglichst viel Bewegungszeit sammeln. «Bern bewegt» heisst die Aktion des städtischen Sportamtes, die auf dem Bundesplatz jeden Tag verschiedene sportliche Aktivitäten anbietet. Heute Abend wird die Woche mit einem Platzkonzert eröffnet: Nebst Rapper Yuri alias Fechter Fabian Kauter, der seinen «Bern bewegt»-Song zum Besten gibt, spielen auch 6er Gascho, Hiliyuma und The Gamebois. Ein erster Höhepunkt ist die Autogrammstunde am Donnerstagnachmittag, wo nebst anderen auch Olympiasieger Mike Schmid zugegen sein wird. Am gleichen Abend wird auf dem Bundesplatz dann Salsa getanzt. Gespannt darf man auch auf die Präsentation der Trendsportart Parkour am Sonntag sein. Und das allseits beliebte «Monday Night Skate» findet diesen Montagabend im Rahmen der Bewegungswoche statt.
Spitzensportler legen ihr Arbeitsgerät gerne einmal beiseite. Schalten ab und tun nichts. Darin hat Fabian Kauter wenig Erfahrung. Wenn der Spitzenfechter und Angehörige der Nationalmannschaft den Degen hinlegt, nimmt er mit der anderen Hand fast zwingend das Mikrofon auf. Mit seiner Band «6er Gascho» oder seit neuem auch als Solokünstler Yuri kam er auf Schweizer Bühnen schon weit herum. Und als einer der besten Schweizer Degenfechter geht er auf Titeljagd – Seite an Seite mit seinem älteren Bruder Michael. Die beiden sind erfolgreich, das Talent dazu wurde ihnen bereits in die Wiege gelegt. Vater Christian gewann an den Olympischen Spielen 1972 die Silber- und 1976 die Bronzemedaille mit dem Schweizer Degenteam.
Ohne Verbissenheit
Nahe liegend, will Fabian Kauter 2012 unbedingt an die Olympischen Spiele in London. Er wäre der Dritte seiner Familie an einem olympischen Turnier, der 31-jährige Bruder Michael war 2008 bereits in Peking dabei. «Ich bin aber nicht verbissen», sagt Fabian Kauter, der darin seinen grössten Vorteil im Spitzensportgeschäft sieht. «Mein Ziel sind jetzt diese Spiele. Wenn es nicht klappt, ist das kein Problem. Ich kann weiterfechten oder aufhören, das Leben geht für mich weiter.» Angst, ohne Spitzensport in ein Loch zu fallen, hat der 24-jährige Freigeist keine. Nebst Sport und Musik hat er auch noch seine Arbeit: 50 Prozent auf einer Privatbank – «ein Glücksfall», wie er sagt. Das Wirtschaftsstudium an der Fachhochschule musste er abbrechen, «vor allem die Prüfungen waren unmöglich, mit meinen Terminen zu vereinbaren». Dann immatrikulierte er sich zwischenzeitlich an der HSG, eher zwecks Teilnahme an der Universiade als für ein ernsthaftes Studium. Gleich zwei Medaillen brachte er von den akademischen Spielen nach Hause. Die Arbeit jetzt gefällt ihm sehr, endlich komme ihm in seiner ungewöhnlichen Situation auch jemand entgegen. Dass Kauter jetzt mitten in Bern Bewegung predigt, kommt nicht von ungefähr. Martin Rhyner, Projektleiter von «Bern bewegt», kennt die Kauters von Swiss Olympic, wo er jeweils die Jugendspiele betreute. So war der Kontakt Formsache, und Fabian liess sich als Rapper einspannen. «Die Bewegungsbotschaft ist mir wichtig, denn viel von meinem persönlichen Glück hängt mit meiner Unternehmenslust zusammen. Für mich gibt es nichts schöneres, als nach einem strengen Tag ins Bett zu sinken.»
Kauter hasst Trägheit und versucht, die Masse mit seinem Song davon abzuhalten. Obwohl es in der «Bern bewegt»-Woche auf dem Bundesplatz auch eine Fechtdemonstration zu sehen gibt, wird Kauter nicht mitmachen. «Nein, da wurde ich nicht angefragt. Das werden wohl meine Kollegen aus dem Fechtklub Bern durchführen.» Halb so schlimm, denn auf Achse wird der umtriebige Sportler und Musiker so oder so sein. (Berner Zeitung)
Erstellt: 05.05.2010, 08:14 Uhr
