Bauer Beer macht aus Gülle Strom

Von Stefan Kammermann. Aktualisiert am 08.11.2012 7 Kommentare

Landwirt Fritz Beer hat in Trub eine halbe Million Franken investiert, um mit Schweinegülle Strom für 25 Haushalte zu produzieren. Die Biogasanlage auf dem Hof liefert ihm zudem pflanzenverträglichen Dünger.

Alexandra und Fritz Beer haben auf ihrem Hof Ober Häusern in Trub eine Biogasanlage errichtet. Mit auf dem Bild die Kinder Simon, Christian und Matthias sowie die Lehrlinge Jakob Wittwer und Dominik Amstutz (von links).

Alexandra und Fritz Beer haben auf ihrem Hof Ober Häusern in Trub eine Biogasanlage errichtet. Mit auf dem Bild die Kinder Simon, Christian und Matthias sowie die Lehrlinge Jakob Wittwer und Dominik Amstutz (von links).
Bild: Thomas Peter

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Das Surren des Gasmotors ist kaum zu hören. Doch das Display im kleinen und übersichtlichen Gebäude zeigt eine aktuelle Produktionsleistung von 30 Kilowattstunden elektrischer Energie an. Energie, die auf dem Hof von Fritz und Alexandra Beer in Trub vorab von der Schweinegülle kommt. Seit bald zwei Monaten produziert die Biogasanlage auf dem Landwirtschaftsbetrieb Ober Häusern rund um die Uhr Strom fürs Energienetz und liefert gleichzeitig Heizwärme und Warmwasser für die beiden Wohnungen im Bauernhaus und den Stall der Schweinezucht.

Mit Kaffeesatz vermischt

«Nach rund 30 Jahren mussten wir unsere Holzheizung erneuern», nennt Landwirt Fritz Beer einer der Gründe, warum er und seine Familie eine halbe Million Franken in eine Biogasanlage investiert haben. Ein weiterer Grund sei die Schweinezucht und die auf ihrem Biohof anfallende Gülle. Weil Beers mit 45 Mutterschweinen in ihren Ställen rund 1000 Ferkel für den Verkauf an Mastbetriebe nach Biorichtlinien züchten, landen pro Jahr rund drei Lastenzüge Stroh im Güllenloch. «Diese mussten wir bislang zum Ausbringen immer mit viel Aufwand aufbereiten», sagt der Landwirt. Jetzt macht dies die Biogasanlage. Und zwar mittels eines 300 Kubikmeter grossen Gärtanks. Dort kommen die Gülle aus der Schweinezucht sowie diejenige der Rinder und der 20 Milchkühe gemeinsam mit Hühnermist aus der Region zusammen. Der Gülle mischt Fritz Beer zudem 20 Prozent Fremdkompost bei. Zurzeit ist dies Kaffeesatz: Rund 260 Tonnen wird die Lebensmittelherstellerin Haco aus Gümligen jährlich zum Nulltarif nach Trub liefern. Das vom Gärprozess produzierte Gas ist schliesslich Treibstoff für den Energie und Wärme erzeugenden Motor.

Rund 50 Tage dauert der Gärprozess. Dabei werden täglich rund vier Kubikmeter Gülle ausgetauscht. Das Ergebnis aus dem Prozess ist nicht nur Energie und Wärme, sondern auch eine hochwertige, stickstoffhaltige Gülle. «Weil der Gärprozess der Gülle Ammoniak entzieht, ist sie sehr pflanzenverträglich», sagt Bauer Beer. Einen Grossteil der Gülle bringt er auf seinem Biohof aus. Allerdings sucht er auch Abnehmer. «Es ist im Moment schwierig, interessierte Landwirte zu finden. Da braucht es noch einige Überzeugungsarbeit.» Hilfe erhält er derzeit von Urs und Klaus Wittwer, die in Röthenbach selber eine Biogasanlage betreiben und der Familie Beer einen Teil der Gülle abnehmen.

41 Rappen pro Kilowattstunde

Rund 200000 Kilowattstunden, Strom für rund 25 Haushalte, will Fritz Beer mit seiner Biogasanlage pro Jahr produzieren. Die Energie speist er in das Netz der BKW ein und hat dank der kostendeckenden Einspeisevergütung für die nächsten Jahre einen Preis von 41 Rappen pro Kilowattstunde garantiert. «Damit sollte die Anlage nach 14 Jahren amortisiert sein», erläutert der 43-Jährige.

Finanzieren konnte die Familie die Investition dank einem zinsfreien Darlehen der bernischen Stiftung für Agrarkredite, einem Beitrag aus dem Fonds für die Förderung von Ökostrom eines Grossverteilers und Bankdarlehen. Gegen 20 Prozent seines Betriebseinkommens will Beer mit der Biogasanlage auf seinem 16,5 Hektaren grossen Betrieb künftig generieren. Aber er wird auch weiterhin auf Milchwirtschaft und Schweinezucht setzen. «Mit der Biogasanlage werden wir etwas unabhängiger vom Preisdruck in der Landwirtschaft.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.11.2012, 06:32 Uhr

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7 Kommentare

Stalder Otto

08.11.2012, 07:42 Uhr
Melden 16 Empfehlung 3

Bravo! Genau so muss man es machen! Viel Glück!
Dem sagt man innovatives denken ohne Consulter und andere Berater....
Antworten


Kurt Dubach

08.11.2012, 08:54 Uhr
Melden 11 Empfehlung 8

Dem sagt man was Positives, da könnte die Politik was Lernen, und nicht, für Armee Jet`s Geld ausgeben! Bravo dem Bauer, Bitte um NACHAHMUNG, es Dankt die Umwelt. Antworten