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Trendkirche ICF: Die hippen Christen im «Kalchofen»

Von Annina Hasler. Aktualisiert am 07.02.2012 7 Kommentare

Die christliche Freikirche ICF feiert im Restaurant Kalchofen in Hasle jeden Sonntag multimediale Gottesdienste. Die Kirche gibt sich weltoffen, vertritt aber gleichzeitig hochkonservative Werte.

Bei ICF ersetzen Band und Leinwand die Orgel und das Liederbuch. Die «Celebrations» im Kalchofen muten eher wie ein Rockkonzert als ein Gottesdienst an.

Bei ICF ersetzen Band und Leinwand die Orgel und das Liederbuch. Die «Celebrations» im Kalchofen muten eher wie ein Rockkonzert als ein Gottesdienst an.
Bild: Thomas Peter

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International Christian Fellowship (ICF)

«ICF ist eine überkonfessionelle Freikirche auf biblischer Grundlage», schreiben ICF-Gemeinden auf ihren Websites. Die erste International Christian Fellowship entstand 1990 in Zürich. Mitgliedschaften kennen die Gemeinden nicht, ihre Anhänger bezeichnen sie als Besucher. Die ICF richtet seine Gottesdienste verstärkt auf Jugendliche und junge Erwachsene aus.

«Bevor wir ICF Emmental gegründet haben, haben wir uns überlegt, wie eine Kirche sein muss, damit sie uns und unsere Freunde begeistert», sagt Prediger Konrad Blaser. Mit seiner Frau Andrea baute der zweifache Familienvater an Pfingsten 2001 ICF Emmental auf. Die ersten Gottesdienste fanden in der Kupferschmiede Langnau statt. Seit Januar 2011 ist ICF Emmental im Kalchofen zu Hause. Aktuell bilden laut Konrad Blaser etwa 150 Personen den Kern der Gemeinde. Weitere Gemeinden im Kanton existieren in Bern, in Langenthal sowie in Biel. Stellen wie die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn oder die Pfarrvereine führen nicht Buch über die Mitgliederzahlen von Freikirchen. Ob die ICF eine der grösseren Freikirchen im Emmental ist, war deshalb nicht in Erfahrung zu bringen.

Sonntagabend in Hasle, im Restaurant Kalchofen herrscht Hochbetrieb. Wer das Haus an der Hauptstrasse betritt, wird von hübschen jungen Frauen in Empfang genommen. Die Treppe zum ersten Stock führt in eine stilvoll eingerichtete Lounge mit weissen Lederhockern und gedämpftem Licht. Laute Musik, noch mehr hübsche Frauen hinter einer Bar. Drinnen im Saal steht eine grosse Bühne, Instrumente warten auf die Musiker, nicht weniger als fünf Techniker bedienen ein Mischpult, Lichtanlagen, eine Kamera.

Was auf den ersten Blick daherkommt wie ein Partytempel, ist das «Office» des ICF Emmental – der christlichen Freikirche «International Christian Fellowship». Jeden Sonntag finden im Kalchofen drei Gottesdienste statt. Die ICF-Anhänger nennen sie «Celebrations», den Prediger «Pastor», empfangen wird die Gemeinde von einem «Master of Ceremony». Auffallend jung sind die Kirchengänger, kaum eine Person scheint die vierzig überschritten zu haben. Viele Frauen tragen enge Röhrenjeans, Minijupes, hochhackige Schuhe, Ray-Ban-Brillen und sind geschminkt. Von knielangen Röcken und biederem Dutt keine Spur. Alles am ICF ist trendy.

Karaoke statt Liederbuch

Eine Rockband eröffnet den Gottesdienst, die Kirchgänger stehen auf, klatschen, tanzen und jubilieren, einige heben Gesicht und Hände gen Himmel. Auf einer Leinwand erscheint der Liedtext, wie in einer Karaokebar. Wer will, singt mit. Wer sich vielleicht noch von einer langen Samstagnacht erholt, lauscht gemütlich in der Lounge den religiösen Songtexten. Gegen 100 Personen besuchen an diesem Sonntagabend die «Celebration» in Hasle.

Dann betritt Konrad Blaser die Bühne, der Prediger. Mit seiner Frau Andrea hat der 36-Jährige die Gemeinde im Emmental vor bald elf Jahren gegründet (siehe Kasten). Blaser ist eine gewinnende Persönlichkeit, er erinnert mehr an einen komödiantischen Moderator als an einen Prediger. Im Moment hält Blaser eine Serie von Predigten zum Psalm 23, dem Hirtenpsalm. Videoeinspielungen mit Schafen und ihrem Hirten verbildlichen Blasers Ausführungen. Explizit ermutigt er diejenigen im Saal, die Jesus noch nicht begegnet sind, sich ihm zu öffnen. Blaser spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, er nimmt auch mal unschöne Wörter in den Mund, erntet Lacher – und schafft so Nähe zu seinen «Schäfchen».

An diesem Abend fordert der Prediger seine Zuhörer auf, zu investieren. In den Glauben, in die Mitmenschen, in die Ehe. Seine Aufforderungen formuliert Blaser immer mit einem «Du». «Wenn deine Ehe zu brachliegendem Land geworden ist, dann hol dir das Land zurück und investiere. Denn es gibt immer Hoffnung.» Es ist still im Saal, ein jeder lauscht dem Prediger aufmerksam.

Glaube, ans Heute angepasst

Die Aufmachung der «Celebrations» ist bestechend, an Professionalität und Abwechslung kaum zu überbieten. Sie erinnern an Rockkonzerte, Karaokeabende, aber sicher nicht an Gottesdienste – wäre da nicht der religiöse Inhalt. Geht dieser ob all dem multimedialen Tamtam drumherum nicht unter? Nein, findet Konrad Blaser. «Warum sollte eine Kirche nicht am Puls der Zeit sein? Schauen Sie, ich selber war schon immer ein Fernsehkind», sagt Blaser. «Warum soll Glaube vor Modernität haltmachen?»

ICF gibt sich betont weltoffen. Auch dem Gottesdienstbesuch der BZ stimmte die Leitung der Gemeinde sofort zu. Dennoch, bei Themen wie Homosexualität ist mit der Offenheit Schluss. Blaser räumt zwar ein, das sei ein heikles Thema. Seine Frau Andrea ist da direkter. «Homosexualität ist anatomisch und fortpflanzungstechnisch wider die Natur», sagt sie. Dann erzählen die beiden von ICF-Besuchern, die Beziehungen mit Männern gehabt hätten. Keiner von ihnen sei aber glücklich gewesen, und manche von ihnen hätten durch Jesus wieder auf den richtigen Weg gefunden.

In eine ähnliche Richtung stossen Aussagen von ICF-Besuchern, die sich in der aktuellen Zeitschrift der Emmentaler Freikirche porträtieren lassen. Da erzählt beispielsweise eine junge geschiedene Mutter, Jesus habe ihr die Sünde, geschieden zu sein, vergeben.

«Niemand fragt warum»

Mit dem Vorwurf, eine konservative Kirche zu sein, tun sich Blaser und seine Frau schwer. Einerseits sei die Bibel eine alte Schrift und teilweise für die heutige Gesellschaft provozierend. «Andererseits wollen wir unsere Besucher zu einer gesunden Auseinandersetzung mit der Bibel auffordern.» Auch sie selber seien nicht perfekt, sagt Andrea Blaser. Was sie aber ärgere, seien Gemeinplätze, die ein jeder über ICF zu wissen glaube. «Immer wieder lese ich, ICF verbiete Sex vor der Ehe. Aber noch nie hat jemand gefragt, warum wir behaupten, dass die Ehe die optimale Ausgangslage für gesunden Sex ist.» Sex sei ein Geschenk von Gott an Mann und Frau, und «ein gesunder Umgang schützt unter anderem vor seelischen Verletzungen», glaubt Andrea Blaser, die ebenfalls Predigerin ist.

«Es muss nicht ICF sein»

Nach der thematischen Predigt, die sich an diesem Sonntag inhaltlich nicht frappant von einer landeskirchlichen Predigt unterscheidet, betet Blaser für diejenigen, «die ihren Weg mit Jesus gehen, und für die Menschen, die ihren Weg noch suchen».

Ihren Gott gefunden hat eine 18-jährige Frau aus Zollbrück, die anonym bleiben möchte. Durch Freunde sei sie zum ICF gekommen. Die Celebrations besucht sie jeweils mit Freunden. ICF sei nicht die einzig richtige Gemeinde für sie. «Es könnte auch eine andere christliche Kirche sein. Was zählt, ist doch, dass wir an denselben Gott glauben.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.02.2012, 12:24 Uhr

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7 Kommentare

Günter Bruttel

07.02.2012, 12:06 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Die Zahl der GD Besucher sagt ja auch etwas aus über die Atraktivität einer Kirche. Wann war Annina H das letzte Mal im GD in 'ihrer' Kirche? Ich finde ICF mehr als nur einen sinnvollen und guten Ort für junge Menschen. Mir ist jedenfalls lieber meine kids treffen sich an Orten wie z.B. ICF als in ...... Öffenen Sie sich für Jesus. Erst dann werden Sie verstehen. Antworten


Urs Fischer

07.02.2012, 13:02 Uhr
Melden 25 Empfehlung

Danke BZ. Mal einen guten Artikel über Freikirchen. Die Presse zerreisst öfters mal Freikirchen, ohne je hinter die Kulissen gesehen zu haben. Antworten



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