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Atemloses Ballspiel in 3-D

Aktualisiert am 25.08.2008

rwasserrugby sieht weniger hart aus, als es klingt. Wer mitmacht, riskiert trotzdem blaue Flecken. Allerdings sind für einmal nicht die Anfänger am meisten gefährdet.

Unterwasser-Rugby

Unterwasser-Rugby

Infobox

Probetraining mit dem Tauchclub Interlaken: Die Gruppe trifft sich jeden Mittwochabend von 19 bis 20 Uhr zum Spiel. Interessierte melden sich bei Désirée Ingold, dingoldey@gmx.ch

«Hier, die brauchst du wegen der Schläge», sagt Désirée Ingold und reicht mir eine weisse Badekappe mit zwei Körbchen auf der Höhe der Ohren. Ein Ohrenschutz? Einverstanden: Unterwasserrugby klingt nicht gerade nach Streicheln, aber dass man mir unter Wasser an die Ohren will, das habe ich nicht erwartet.

Für Zaudern bleibt jedoch keine Zeit: Einige der acht Klubmitglieder, die zum Training erschienen sind, tauchen sich bereits ein. Schnell die Flossen montieren, in die Brille spucken und den Schnorchel richten. Und klar: die Badekappe nicht vergessen.

Mit der Taucherbrille, die dank der Spucke nicht anläuft, ist die Sicht im Sprungbecken erstaunlich gut. In dreieinhalb Metern Tiefe und acht Meter voneinander entfernt stehen die Tore, zwei stählerne Körbe. Der Plastikball, den Désirée eben ins Wasser geworfen hat, sinkt langsam. Er ist mit einer Salzwasserlösung gefüllt, hat so eine höhere Dichte als das Süsswasser und schwimmt daher nicht.

Links, rechts, oben, unten

Viel Zeit zum Sinken bleibt dem Ball allerdings nicht. Schon packt ihn ein Blauer. Dieser schwimmt davon, die Weissen ihm nach. Anstatt meinem Team zu helfen, kann ich zunächst nur staunen. Nicht nur weil der schwerste Mitspieler unter Wasser plötzlich zum flinksten wird, sondern weil das Spiel im dreidimensionalen Raum stattfindet. Wer sich freistellt, tut dies nicht nur rechts oder links, vorne oder hinten, sondern eben auch oben oder unten. Oft schwimmen die Spieler kopfüber oder versuchen, auf dem Rücken liegend das Tor zu schützen – «den Deckel machen», wie es im Fachjargon heisst. Als ich mich selbst als Torwart versuche, muss ich feststellen: Das ist schwieriger, als es scheint. Denn wer sich nicht richtig bewegt, wird automatisch nach oben getrieben – zumal das Festhalten am Korb verboten ist und da natürlich Gegner sind, die versuchen, einen wegzuzerren.

Das grösste Problem aber ist die Luft: Am Ball bleibt derjenige, der den längeren Atem hat – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Geübte Spieler können über eine Minute unter Wasser bleiben. Ich hingegen muss ständig an die Oberfläche, wo ich mich dann jeweils länger erholen muss.

Weniger problematisch ist die Härte des Spiels: Zwar ist voller Körpereinsatz erlaubt – mit Festhalten, Wegdrücken und Entreissen –, aber viele Bewegungen sind im Wasser langsamer und wirken daher weniger aggressiv. Und wenn es einem doch zu viel wird, muss man bloss den Ball abgeben – so hat der Gegner kein Interesse mehr und lässt gleich los. Und dann ist da natürlich noch das beruhigende Rauschen im Ohr. Ansonsten herrscht Stille: Unter Wasser gibt es kein Aufprallen des Balls und keine lauten Zurufe. Die Spieler kommunizieren wortlos miteinander, mit Grimassen und Gesten.

Und das soll Rugby sein?

Der fehlende Lärm und die vom Wasser gezähmten Bewegungen lassen mich bereits am Namen des Spiels zweifeln: Was hat das mit Rugby zu tun? Kurz vor Trainingsende erfahre ich den Zusammenhang jedoch am eigenen Leib: Mein Oberarm wird von einer Flosse getroffen – und zwar so stark, dass die Stelle garantiert blau wird.

«Die meisten blauen Flecken entstehen nicht durch Absicht, sondern einfach in der Hitze des Gefechts», erklärt Désirée beim Après-Rugby im Bistro des Hallenbades. Dann lacht sie und sagt: «Am gefährlichsten ist es eigentlich, wenn wir Anfänger dabei haben – die schwimmen obenauf und bekommen gar nicht mit, was sie unter Wasser mit ihren Flossen anstellen.»

Ups, daran habe ich während meiner Pausen über Wasser tatsächlich nicht gedacht – zum Glück hatten die Spieler alle ihre Badekappen auf.

Erstellt: 25.08.2008, 08:34 Uhr

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