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Wii Mutter mich schlug

Von Christian Studer. Aktualisiert am 04.09.2008

Videospiele sind böse und machen einsam, so das gängige Klischee. Dieses will Nintendo mit der frisch erschienenen «Wii» widerlegen: Die Spielkonsole soll mit ihrer innovativen Steuerung auch jene Personen ansprechen, die mit Gamen sonst nichts am Hut haben.

Christian Studer und die Wii

Christian Studer und die Wii

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Info-Box

Die Spielkonsole Wii von Nintendo kostet inklusive des nötigen Zubehörs 399 Franken.

Im familiären Rahmen packe ich das kleine weisse Gerät zum ersten Mal aus. Die Installation ist unkompliziert, schon bald schnappen sich meine Geschwister die Controller und legen los. Der Konsole liegt das Spiel Wii Sports bei, mit fünf Sportarten. Nur eine knappe Viertelstunde haben wir Tennis gespielt, da kommt unsere Mutter herein. «Ich will auch mal», sagt sie. Kurz darauf muss ich erfahren, was es heisst, von der eigenen Mutter in einem Videospiel geschlagen zu werden.

Der Clou an der «Wii» ist nicht eine hochgezüchtete Grafik oder viel Multimediakrimskrams, sondern die Art, wie die Spiele gesteuert werden: Im Tennis nimmt man die Fernbedienung wie ein Tennisrack zur Hand und schwingt damit um sich. Die Figuren auf dem Feld bewegen sich automatisch, selber muss man sich nur ums Schlagen kümmern, im richtigen Moment, mit dem richtigen Winkel und in die richtige Richtung. Nach ein paar Sekunden hat man die Steuerung im Griff, so einfach und intuitiv ist sie. Zu Hause liefern wir uns innert kürzester Zeit schon spektakuläre Ballwechsel, ohne zuerst lange die Anleitung studieren zu müssen. Der Spass steht im Mittelpunkt. Und den haben wir definitiv. Später amüsieren sich selbst die grössten Spielmuffel unter meinen Kollegen prächtig. Wer nicht selber virtuellen Sport betreibt, lacht über die angestrengten Mienen und wilden Gesten der Spieler: Wir hüpfen und toben brüllend vor dem Fernsehgerät herum, bis sich der Nachbar beschwert. Wer braucht eine wirklichkeitsgetreue Grafik, wenn der Schweiss nach einem «Wii»-Boxmatch echt von der Stirne perlt und man am nächsten Tag überzeugend realistischen Muskelkater vom Tennis verspürt? Bowling ist genauso gemütlich abgebildet wie in einer echten Halle, und Golf genauso langweilig wie auf dem Green draussen. Sport mache ich von nun an zu Hause und im Kreise meiner Freunde. Wer sagt da noch, Gamen mache einsam? (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.09.2008, 14:01 Uhr

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